Energieverband: NRW-Pläne zur Windenergie drohen zu scheitern

Windkraftanlage in untergehender Sonne

Energieverband: NRW-Pläne zur Windenergie drohen zu scheitern

Von Tobias Zacher

Umwelt- und Lobbyverbände kritisieren schon länger die 1000-Meter-Abstandsregel für Windräder, die die Landesregierung plant. Jetzt zeigen neue Berechnungen einen möglichen Ausweg.

Die Abstandsregel von tausend Metern zwischen Windrädern und Wohnbebauung, wie sie die schwarz-gelbe Landesregierung plant, verhindert das Erreichen der Ausbauziele für Windenergie in Nordrhein-Westfalen. Das haben Berechnungen der Datenanalyse-Firma Nefino im Auftrag des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE) ergeben.

Weil die geplanten Regeln so wenige Flächen im Land für die Windenergie zulassen, wäre selbst bei vollständiger Ausnutzung der Potenzialflächen nur gut zwei Drittel des geplanten Windkraft-Zubaus erreichbar, heißt es in der Studie. "Der angestebte Zubau ist so überhaupt nicht zu schaffen", sagte der LEE-Vorsitzende Reiner Priggen bei der Vorstellung der Zahlen.

LEE: Nur 7,2 statt 10,5 Gigawatt möglich

Die Landesregierung hatte angekündigt, bis zum Jahr 2030 die installierte Leitung bei Wind auf 10,5 Gigawatt zu verdoppeln. Nach Ansicht von Umweltschützern ist das wenig ambitioniert. Selbst dieses Ziel wird nach Berechnungen des LEE aber verfehlt, wenn das geplante Gesetz in der jetzigen Fassung verabschiedet wird. Die strengen Regeln erlaubten nur auf 0,64 Prozent der Landesfläche den Bau von Windkraftanlagen, so das Ergebnis der Berechungen. Dadurch seien höchstens 7,2 Gigawatt in Nordrhein-Westfalen möglich.

Der Energieverband macht deshalb in seiner Studie zwei Vorschläge, wie trotz der geplanten Tausend-Meter-Regel mehr Windräder entstehen könnten: Einerseits schlägt er eine "behutsame Öffnung des Waldes" vor, sodass in einigen Nutzwäldern Windparks entstehen könnten. Die Berechnung schließt Naturschutzgebiete ausdrücklich aus - am Ende steht dennoch ein Leistungspotenzial von mehr als elf Gigawatt. Bislang lehnt die Landesregierung Windkraft im Wald ab.

Großzügigere Regeln beim so genannten Repowering?

Der zweite Vorschlag des Energieverbands: Differenziertere Abstandsregeln beim sogenannten Repowering. Damit ist die Modernisierung bereits bestehender Windparks gemeint.

Anstatt für das Repowering pauschal einen Abstand von 720 Metern zu verlangen, sollte die tatsächliche, dreifache Höhe der Windräder nach der Modernisierung zu Grunde gelegt werden, so die Forderung. Bei einer Anlage, die nach dem Modernisieren 200 Meter hoch ist, wäre somit ein Abstand von nur 600 Metern zur nächsten Wohnsiedlung nötig.

Bei dieser flexibleren Abstandsregel orientiert sich der LEE an einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster. Das hatte festgestellt, dass Windräder bei einem Abstand der dreifachen Gesamthöhe des Windrads regelmäßig keine "optisch bedrängende Wirkung" für Anwohner haben. Durch diesen Änderungsvorschlag könnten fünfmal mehr Anlagen in NRW modernisiert werden, heißt es in der Nefino-Berechnung.

Vielerorts Widerstand gegen Windräder

Das grundsätzliche Ziel ist klar: Erneuerbare Energien sollen die fossilen Energieträger ablösen, auch im jahrzehntelangen Kohleland NRW. Bei der konkreten Umsetzung jedoch ist es schnell vorbei mit der Einigkeit. Mit Blick auf die Windkraft heißt das: Die Unterstützung in der Bevölkerung ist regelmäßig groß, so lange die Windräder nicht in der eigenen Nachbarschaft stehen. Viele Kommunen und Anwohner versuchen, sich mit Klagen zu wehren. Das ist ein Problem für den Ausbau.

Im Dezember hatte die Landesregierung einen Gesetzesentwurf vorgelegt: Demnach dürfen Windräder nur dort entstehen, wo sie einen Abstand von 1.000 Metern einhalten zu "zusammenhängender Bebauung mit mindestens zehn Wohngebäuden". Seitdem steht diese Regelung in der Kritik - auch im Blick auf die Frage, wie nah Häuser denn zusammenstehenden müssen, um als "zusammenhängende Bebauung" zu gelten. Das FDP-geführte Wirtschaftsministerium bezeichnet diese Regel als "Ausgleich zwischen dem weiteren Ausbau der Windenergie in Nordrhein-Westfalen und den Bedürfnissen der Bevölkerung".

Stand: 19.04.2021, 14:52