Wuchermieten trotz Mietpreisbremse

Wuchermieten trotz Mietpreisbremse

Weit mehr als ein Drittel der Menschen in NRW lebt allein, in Ein-Zimmer-Apartments. Doch die Preise für solche Miniwohnungen sind für viele kaum noch bezahlbar - trotz Mietpreisbremse.

Eigentlich kann Pia Klein froh sein: Die 22-Jährige aus Neuss hat gerade einen Job als Köchin in Düsseldorf bekommen. Doch jetzt hat sie ein Problem: Sie sucht eine kleine Wohnung.

Von ihrem Gehalt kann die junge Frau maximal 500 Euro Miete bezahlen. Für eine Ein-Zimmer-Wohnung sollte das eigentlich reichen. Tut es aber offenbar nicht. Pia sucht bereits seit Wochen, täglich sieht sie ihre Chancen schrumpfen.

Wohnungssuchende Pia aus Düsseldorf sitzt vor dem Laptop

Unbezahlbare Angebote: Wohnungssuchende Pia

Rund 40 Prozent der Menschen in NRW leben laut Landesamt für Statistik allein. Doch gerade für kleine Wohnungen sind die Mieten in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gestiegen. Quadratmeterpreise von 20 bis 30 Euro sind in den größeren Städten keine Seltenheit mehr - für Normalverdiener kaum noch bezahlbar.

"Stylisch" in bester Lage

Im Trend liegen sogenannte Micro-Apartments: Ein Zimmer, voll möbliert. Anbieter wie die Firma i Live werben mit "stylischen" Apartments in bester Lage, mit hochwertiger Ausstattung, Grillplatz, Fitnessraum. Zum Beispiel in Köln, ab 565 Euro warm für 21 Quadratmeter. Zielgruppe seien "Studenten, Azubis, Praktikanten", sagt Marketing-Manager Martin Kraft.

Das Geschäft boomt, Firmen wie i Live suchen ständig neues Bauland, bevorzugt in Uni-Städten. Ziel sei, "ein rentables Produkt für den Investor", so Kraft.

Mikro-Appartements: Goldgrube oder geniale Idee gegen Wohnungsnot?

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 07.05.2019 03:57 Min. WDR 5 Von Noelle O'Brien-Coker

Download

Möblierte Wohnung in Köln

Möbliertes Micro-Apartment in Köln

Ähnliche Mietangebote auch für Bestandswohnungen finden sich zu Hauf im Internet. Der Trick: Dadurch, dass die Wohnungen oft klein, möbliert und auf Zeit vermietet werden, lässt sich die Mietpreisbremse umgehen. Für die Einrichtung können Zuschläge berechnet werden, für die es keine Richtwerte gibt, erklärt Hans-Jörg Depel vom Mieterverein Köln.

Das gebe den Vermietern die Möglichkeit, "Mondpreise" zu fordern - obwohl besonders in den Städten NRWs preiswerter Wohnraum dringend gebraucht wird: Das Angebot an Wohnungen mit Mietpreisbindung schrumpfte in den vergangenen zehn Jahren nach Angaben der NRW-Bank um ein Drittel. Stattdessen breiten sich Investoren von Luxus-Kleinwohnungen aus. Verhindern ließe sich diese Entwicklung nur durch entsprechende Gesetze, so Depel.

Doch die dafür zuständige NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) will erstmal abwarten: Trends wie Micro-Living erfreuten sich derzeit "einer hohen Beliebtheit", sagt sie im Westpol-Interview. Die hohen Preise? Für die Zielgruppe der Studierenden sei es doch nur ein "Übergangswohnen", denn: "Wer möchte sein Leben lang auf 20 Quadratmeter wohnen?"

Pia Klein wäre auch mit 20 Quadratmetern glücklich - wenn sie bezahlbar wären.

Weitere Themen bei Westpol am Sonntag:

Gefahr von Rechts - Wie Neonazis das Netz nutzen: Der Verfassungsschutz sieht eine zunehmende Bedrohung von Rechts. Was den Behörden besonders Sorgen bereitet: Rechtsextremisten nutzen verstärkt Plattformen für Online-Computerspiele, um Hetze und Propaganda zu verbreiten und um neue Anhänger zu rekrutieren. Anders als soziale Netzwerke wie Facebook ist die Computerspielbranche nicht gezwungen, verfassungsfeindliche Inhalte zu melden und zu löschen.

Kaputte Straßen - Wie Kommunen nur flicken statt sanieren: Spurrillen, Bodenwellen, notdürftig aufgefüllte Schlaglöcher: Nach dem Winter bieten viele kommunale Straßen ein trauriges Bild. Städten und Gemeinden fehlt das Geld für eine gründliche Straßensanierung, die Preise im Straßenbau sind zudem stark gestiegen. Die Folge: Reparaturen werden verschleppt, mehr als Flickschusterei ist vielerorts nicht drin.

Stand: 12.05.2019, 08:00