So schafft Münster preiswerten Wohnraum

Historisches Rathaus Münster

So schafft Münster preiswerten Wohnraum

  • Münster setzt gegen Wohnungsnot auf eigenes Bauland
  • Investor mit billigster Startmiete bekommt den Zuschlag
  • Modell seit Jahren erfolgreich

Tausende Mieter gingen in Köln auf die Straße, um für bezahlbaren Wohnraum zu demonstrieren. Eine Berliner Initiative will große Immobilienkonzerne sogar enteignen. Ein konfrontativer Weg, der seit Tagen diskutiert wird. Münster zeigt, dass es auch anders geht.

Rege Bautätigkeit

Denn in Münster wird eifrig gebaut. Im Südwesten, im Stadtteil Mecklenbeck, sollen zum Beispiel Ende des Jahres fünf Mehrfamilienhäuser mit 64 Wohnungen fertig sein. Mietpreis: deutlich unter sieben Euro pro Quadratmeter kalt. Und das mitten in Münster, einer der gefragtesten und teuersten Städte in NRW.

Wohnraum für alle

Matthias Peck

Matthias Peck

Der Bedarf ist groß, weiß Matthias Peck, Immobiliendezernent aus Münster: "Verwaltungsangestellte und Erzieher müssen hier genauso wohnen können wie Leute mit höherem Einkommen." Eine durchmischte Bevölkerungsstruktur - das gehe nur über preiswerten Wohnraum. Denn sonst, so die Befürchtung von Peck, gebe es "Verhältnisse wie im Mittelalter, wo die Reichen in der Stadt wohnen können und die Handwerker und einfachen Leute vor den Toren der Stadt."

Zwei Regeln für günstige Mieten

Deshalb hat Münsters Baudezernent den hohen Mietpreisen den Kampf angesagt. Er profitiert heute von einer Entscheidung des Stadtrats von 2014. Alle Parteien beschlossen zwei zentrale Regeln: Wenn die Stadt Bauland verkauft, bekommt nicht der Investor den Zuschlag, der das meiste Geld bietet, sondern der, der die niedrigste Startmiete für das erste Jahr verspricht.

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WDR RheinBlick 12.04.2019 23:10 Min. WDR Online

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Und die Stadt vermehrt ständig ihren Grundbesitz: Wenn aus Flächen am Stadtrand, die bisher Feld oder Wiese sind, neues Bauland werden soll, dann müssen die Eigentümer erst die Hälfte der Fläche an die Stadt verkaufen. Statt Enteignungen gilt in Münster seit fünf Jahren diese Vorkaufsregel - und darüber hat die Stadt schon eine Millionen Quadratmeter Fläche erworben.

Eigentümer verkaufen sogar mehr Land an die Stadt

Für Baudezernent Peck ist es eine Erfolgsgeschichte: "In 70 Prozent der Fälle haben uns die Landwirte nicht nur - wie vorgeschrieben - 50 Prozent verkauft, sondern 100."

Viel eigenes Bauland und dafür strenge Vorgaben: In Münster wird im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr gebaut als in jeder anderen deutschen Großstadt. So entstanden mitten im Zentrum über 100 Wohnungen. York-Höfe heißt das Areal, wo früher der TÜV war. Für Mieten ab sechs Euro - gut ein Drittel unter dem Niveau der Häuser in der Nachbarschaft.

So wächst Münster weiter - und versucht auf seine Art, der Wohnungsnot etwas entgegenzusetzen.

Stand: 14.04.2019, 06:00