Wald muss Windkraftanlagen weichen

Wald muss Windkraftanlagen weichen

Während Aktivisten im Hambacher Forst um den Erhalt der Bäume kämpfen, fallen wenige Kilometer entfernt unbeachtet tausende Bäume, um Platz zu machen für Windkraftanlagen.

Junge und alte Umweltschützer riskieren in diesen Tagen sogar ihre Gesundheit, um den Hambacher Wald vor der Rodung zu retten. RWE will die Bäume fällen, um weiter klimaschädlichen Braunkohlestrom produzieren zu können.

Nicht weit entfernt, im Aachener Münsterwald, fielen bereits tausende Bäume. Hier allerdings für klimafreundlichen Strom aus Windkraft - weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit.

Fünf Windmühlen im Wald

Gerodete Waldfläche, Lastwagen

Gerodete Waldfläche bei Aachen

Fußballfeldgroße Brachflächen haben die Kettensägen in den Wald geschlagen, sieben fast 200 Meter hohe Windräder wollen die Aachener Stadtwerke hier errichten. Schon Ende dieses Jahres sollen die ersten fünf Riesenwindmühlen Strom liefern.

Dabei lebten auch hier bedrohte und geschützte Tiere: Schwarzstorch, Rotmilan, Gelbbauchkröte.

Wälder fallen für Windräder

Windkraftanlagen in Wäldern: 67 davon gibt es nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz in NRW bereits - und es werden mehr. Weitere 12 befinden sich im Bau, 79 neue Anlagen sind genehmigt oder beantragt.

Erstaunlich: Der Investitionsschub für solche Wald-Windparks ist der alten, rot-grünen Landesregierung zu verdanken. Klima und Naturschutz seien "angemessen ausgeglichen", wenn Wald für Windkraft geopfert wird, sagt Wibke Brems, energiepolitische Sprecherin der Grünen im Landtag.

Wald "nicht grundsätzlich tabu"

Reiner Priggen, Vorsitzender des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW

Grüner Reiner Priggen im Aachener Münsterwald

Als ehemaliger grüner Spitzenpolitiker im NRW-Landtag ist Reiner Priggen heute Vorsitzender des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW. Und auch er findet: Zwar dürfe nicht dort gebaut werden, wo sich schützenswerte Baumbestände finden. Aber ein reiner Wirtschaftswald, der beispielsweise aus angepflanzten Fichten besteht, eigne sich durchaus.

"Der Wald kann nicht grundsätzlich tabu sein", sagt Priggen. Etwa zwei Prozent der Fläche Deutschlands werde für Windenergie benötigt. Ohne Nutzung der Waldflächen reichten die Standorte nicht aus, "um die Energiewende zu schaffen und damit die Klimaschutzziele zu erreichen".

Energieminister will den Wald schützen

Die neue Regierung will diesen Trend zu Windenergieanlagen in Waldgebieten nun stoppen - und beruft sich dabei auf den Schutz der Natur. Während sie im Hambacher Forst die Rodungen durch RWE unterstützt, sind ihr an anderer Stelle plötzlich die Bäume wichtig.

Energieminister Andreas Pinkwart (FDP)

Für den Erhalt des Waldes: Energieminister Pinkwart

Landschaft und besonders "qualitätvoller Wald" müssten mehr geschützt werden, sagt Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) im Westpol-Interview: "Wir wollen, dass die Belange von Umwelt und Mensch viel stärker Berücksichtigung finden." Wald ist offenbar nicht gleich Wald.

Weitere Themen bei Westpol am Sonntag:

AfD - ein Fall für den Verfassungsschutz? Spätestens nach den gemeinsamen Auftritten von AfD-Politikern an der Seite von Pegida und rechtsextremen Gruppen in Chemnitz wird offen darüber diskutiert, ob die Partei vom Verfassungsschutz beobachtet werden soll. In Bremen und Niedersachsen wollen die Verfassungsschutzämter jetzt zunächst die Jugendorganisationen unter die Lupe nehmen. Und in NRW?

Infokrieg um Hambacher Forst: Je näher die Rodung des Hambacher Forsts rückt, desto stärker wird der Propagandakrieg darum. Die Grünen verlegen für gute Bilder gleich ihren Parteitag in den Wald. Polizei und Innenministerium malen Drohszenarien von gewalttätigen Protesten, die in dieser Form bislang ausblieben. Ein Kampf mit Bildern und Begriffen, aber auch mit Falschinformationen.

Stand: 17.09.2018, 12:14