Schockierende Bilder: Schweineleid ohne Strafe?

Liegendes Schwein in einem Stall

Schockierende Bilder: Schweineleid ohne Strafe?

  • Aufnahmen von leidenden Schweinen im Kreis Steinfurt aufgetaucht
  • Straftat oder Ordnungswidrigkeit?
  • Umweltministerin Heinen-Esser kündigt Maßnahmenpaket an

Die Bilder schockierten nicht nur Landespolitiker: Vor zwei Jahren tauchten Aufnahmen von offenkundig leidenden Tieren in NRW auf. Die Bilder zeigten Schweine mit zum Teil abgebissenen Schwänzen und entzündeten Gelenken - und waren ausgerechnet auf dem Hof der damaligen NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) entstanden. Veröffentlicht hatte die Bilder der Verein "tierretter.de e.V."

Industrielle Nutztierhaltung in der Kritik

Ilja Briggs vom Verein Tierretter e.V.

Ilja Briggs: "Da schleifen eindeutig die Innereien über den Boden."

Jetzt weist der Verein erneut auf Bildmaterial hin, das auf vier Höfen in Schulze Föckings Heimat, dem Kreis Steinfurt, aufgenommen wurde. Westpol hat es exklusiv ausgewertet. Die Bilder sollen im August auf vier Höfen aufgenommen worden sein, so Ilja Briggs vom Verein "tierretter.de e.V.". Sie beschreibt ein Tier mit einem Nabelbruch: "Da schleifen eindeutig die Innereien über den Boden, der ganze Beutel ist blutig", so Briggs.

Eindeutige Regelung im Tierschutzgesetz

Eigentlich ist es klar geregelt: Wer einem Wirbeltier anhaltende Schmerzen oder Leiden zufügt, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Tierschutzgesetz § 17

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder
2. einem Wirbeltier

  • a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder
  • b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leidenzufügt.

Christoph Brundiers, Leiter des Veterinäramtes im Kreis Steinfurt, kennt die Höfe, auf denen die Aufnahmen entstanden sind. "Das sind natürlich keine Zustände, die so akzeptabel sind", räumt er ein.

Bei etwa jeder zehnten Kontrolle stößt Brundiers nach eigenen Angaben auf Tierschutzmängel. Behandelt werden die zumeist als Ordnungswidrigkeiten. Die Höfe müssen dann oft Zahlungen im dreistelligen Bereich leisten. Dabei wurden im letzten Jahr nur 16 Prozent der Betriebe im Kreis Steinfurt überhaupt kontrolliert. 2014 - vor dem Fall Schulze Föcking - war es sogar nur jeder zehnte Betrieb.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU)

2014 fanden bei den 3.053 Betrieben im Kreis Steinfurt nur 308 Kontrollen statt

Karl Fikuart war ebenfalls viele Jahre Veterinär im Kreis Steinfurt. Aus seiner Sicht zeigen die aktuellen Bilder "klar Straftatbestände". Seine Vermutung, warum viele Tiere nicht tierärztlich behandelt werden: "Der Wert des Schweines ist wesentlich niedriger, als die Kosten, die dadurch entstehen."

Umweltministerin setzt auf Tierwohl-Label

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU)

Heinen-Esser kündigt Tiergesundheitsdatenbank an

Für Ursula Heinen-Esser (CDU), Nachfolgerin von Christina Schulze Föcking im Amt der NRW-Umweltministerin, sind die aktuellen Bilder Einzelfälle. Dennoch kündigt sie neben dem geplanten Tierschutzbeauftragten für die kommenden Wochen "ein ganzes Paket" an Maßnahmen an, "um das System besser aufzustellen." So soll es künftig in NRW eine Tiergesundheitsdatenbank geben. "Helfen wird hoffentlich auch das Tierwohl-Label, das dem Verbraucher klare Hinweise gibt, wie die Tiere gehalten wurden", so Heinen-Esser.

Allerdings war unter den Betrieben, in denen die aktuellen Aufnahmen entstanden sind, auch mindestens ein "Tierwohl"-Hof.

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WDR 5 Mittagsecho 07.08.2019 04:10 Min. Verfügbar bis 06.08.2020 WDR 5

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Stand: 15.09.2019, 06:00