Wenn der Rettungswagen wegen Husten kommt

Rettungswagen für Lappalien Westpol 20.10.2019 UT DGS Verfügbar bis 20.10.2020 WDR

Wenn der Rettungswagen wegen Husten kommt

  • Rettungswagen werden nicht mehr nur in Notfällen gerufen
  • Helfer fahren auch wegen Lappalien raus
  • Gesundheitsminister sieht keinen Missbrauch der Rettungsdienste

Wird der Rettungswagen gerufen, geht es oftmals um Leben und Tod. Eigentlich. Denn nicht immer liegt ein Notfall vor. Schon wegen Lappalien wird heutzutage die 112 gewählt. Landesweite Statistiken dazu gibt es in NRW keine. Experten gehen davon aus, das in 30 Prozent der Fälle kein Notruf nötig wäre. Allein im Kreis Heinsberg gab es im vergangenen Jahr 2.000 Fälle. Das WDR-Magazin Westpol hat Betroffene nach ihren Erfahrungen gefragt.

Marc Dietrich, Geschäftsführer DRK Neuss

Marc Dietrich, Vorstandssprecher DRK Neuss

Marc Dietrich, Geschäftsführer DRK Neuss

"In den letzten Jahren beobachten wir zunehmend, dass uns Menschen kommen lassen für Dinge, die früher kein Notfall gewesen sind. Die Zahl ist in den letzten Jahren signifikant gestiegen. Es entsteht ein großer Frust bei den Besatzungen. Das muss man sich vorstellen: Man wird rausgerufen für eine lebensbedrohliche Störung. Sie kommen aber dort hin und finden Menschen mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit vor, die einen Notfall nur quasi vorgetäuscht oder angenommen haben.

Natürlich ärgert mich das kolossal an einigen Stellen, denn die Rettungswagen stehen hier nicht zum Vergnügen rum, sondern sie werden vielleicht dringend woanders gebraucht.
"

Mobile Retter: Jede Minute zählt

WDR 5 Quarks - Hintergrund 11.09.2019 10:35 Min. Verfügbar bis 10.09.2024 WDR 5

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Alexander Kleophas, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am EVK Düsseldorf

Alexander Kleophas, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am EVK Düsseldorf

Alexander Kleophas von der Notaufnahme am EVK Düsseldorf

"Ich kenne Fallberichte, dass Patienten zum Teil zu unserem Krankenhaus gefahren sind, einen Parkplatz gesucht haben, die Parkplatzsuche sich schwieriger gestaltete und der Patient tatsächlich zur Feuerwache gefahren ist. Dort parkte er sein Auto, um sich dann mit einem Rettungswagen in die Notaufnahme fahren zu lassen und die Parkgebühren zu sparen. Das würde ich definitiv als missbräuchlich bezeichnen."

Olaf Friebel, Notfallsanitäter

Olaf Friebel, Notfallsanitäter DRK Neuss

Olaf Friebel, Notfallsanitäter

"Einen Fall gab es mit Schnittverletzungen, also eine Kleinigkeit, wo sich jemand in den Finger geschnitten hat und ein kleines Pflaster gereicht hätte. Gleichzeitig war zwei Straßen weiter ein Notfalleinsatz, wo jemand wirklich akute Atemnot hatte und dringend Sauerstoff brauchte. Er musste länger warten, weil das Auto in den anderen Einsatz gebunden war.

Das ist natürlich ärgerlich, denn wir sind dafür da, den Leuten in Akutsituationen zu helfen. Wenn man dann reinkommt und sieht, dass man eigentlich umsonst hingefahren ist, ist das schon ärgerlich. Je häufiger das vorkommt, umso mehr wird das System dafür missbraucht
."

Was sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) dazu?

Karl-Josef Laumann

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

"Meinem Ministerium liegen keine Kenntnisse darüber vor, dass es zu einem Missbrauch der Rettungsdienste kommt. Ich halte den Missbrauch hier im Übrigen für falsch.

Der Rettungsdienst ist die Institution, die sehr, sehr zuverlässig an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden am Tag erreichbar ist. Er hilft in medizinischen Notsituationen, komme was wolle. Und das ist gut so.
"

Stand: 20.10.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 A. Van Grol 21.10.2019, 22:06 Uhr

    Die Missbrauch-Anrufer mussen selbst in einen lebensbedrohliche Lage kommen und einen RTW Steht nicht zur Verfügung wegen einen Snupfen oder Nähnadelstich. Dann ist die Welt zu klein.

  • 1 Frank Herkenrath 21.10.2019, 22:05 Uhr

    Wenn ich allerdings als hauptamtlicher Rettungsassistent sehe, wie sehr wir uns immer komplexeren Gesetzen, Dienstanweisungen etc unterordnen müssen, ist es um so schlimmer, wie rückwärtig sich die Pflege alter Menschen entwickelt.

    Antworten (1)
    • Arnold H. J. M. Van Grol 21.10.2019, 22:25 Uhr

      Ich kann der Frank H. einen kleinen Trostpflästerchen anbieten, es ist nämlich auch in den Niederlande ein idioten Burokratie Dass für ein Pflästerchen von 20 cent einen Arbeitsaufwand von € 20 aufgebracht werden muss um zu erklären wo das Pflästerchen geblieben ist. Angeblich um Diebstahl zu vermeiden aber auch um es bei einen Krankenversicherung deklarieren zu können. Aber so rum oder so rum, sliesslich müssen die Steuerzahler, also Allen (inklusiv die Toeristen), es zahlen. Noch einen kleinen Trost: ein ähnliches Problem haben die Grundschulelehrer.