Gleicher Lohn für Lehrer?

Gleicher Lohn für Lehrer?

  • Geringere Bezahlung von Grundschullehrern sorgt für Ärger
  • NRW will Besoldung anpassen - hat aber (noch) keinen Plan
  • SPD rechnet mit 600 Millionen Euro pro Jahr

Seit Jahrzehnten werden Grundschullehrer schlechter bezahlt als etwa ihre Kollegen an weiterführenden Schulen - weil sie ja auch kürzer studiert haben. Doch das stimmt heute nicht mehr, denn seit 2009 ist die Ausbildung für angehende Lehrer aller Schulformen gleich lang.

Kosten von 600 Millionen Euro

Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion

Jochen Ott: "Das Geld ist da."

Die SPD-Opposition hat deshalb letzte Woche einen Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht, der ein gleich hohes Einstiegsgehalt für Lehrer jeder Schulform vorsieht. Nach SPD-Berechnungen wären dafür jährlich 600 Millionen Euro nötig.

"Bei der Haushaltslage, die Rot-Grün der neuen Regierung hinterlassen hat, ist das Geld da", meint Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Gleichzeitig muss er aber auch eingestehen: "Rot-Grün hat es nicht hingekriegt, die Lehrerbesoldung anzupassen. Das war ein Fehler."

Landesregierung möchte nichts überstürzen

NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU)

Finanzminister Lienenkämper will sich Zeit nehmen

NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) hingegen warnt vor Schnellschüssen. "Dass die Änderungen von 2009 auch besoldungsrechtliche Konsequenzen haben werden, ist jedem im Land klar." Die Regierung werde dem Landtag entsprechende Vorschläge unterbreiten. Aber: "Wir nehmen uns die Zeit, die dafür erforderlich ist", so der Finanzminister gegenüber dem WDR.

Unruhe im Lehrerzimmer

Grundschullehrer Alexander Grote vor seiner Klasse

Grote: "Gehaltsunterschied wäre unangenehm"

Währenddessen rumort es in den Lehrerzimmern des Landes: Viele Grundschullehrer können nicht nachvollziehen, wieso sie bei gleich langer Ausbildung deutlich weniger verdienen sollen als ihre Kollegen an den weiterführenden Schulen.

Die Lerninhalte unterscheiden sich zwar, aber: "Wir haben etwa eine höhere Pflichtstundenzahl und kleinere Kollegien, sodass sich die Aufgaben, die an der Schule anfallen, auf weniger Köpfe verteilen", argumentiert Grundschullehrer Alexander Grote.

Zusammen mit ihm werden es bis zum nächsten Jahr wohl 2.700 Lehrer in NRW sein, die die längere Lehrerausbildung haben und weniger Geld bekommen - darunter auch Lehrer an weiterführenden Schulen. Eine Angleichung nur dieser Gruppe könnte das Land 29 Millionen Euro kosten.

Stufenmodell als Lösung?

Aber was ist dann mit Grotes älteren Kollegen, die kürzer studiert haben und damit weniger verdienen? "Mir wäre das ziemlich unangenehm, denn die Kollegen sind viel erfahrener als ich, weil sie schon lange dabei sind", so Grote.

Andere Bundesländer wie etwa Brandenburg haben bereits einen Stufenplan entwickelt, damit auch Grundschullehrer "alter Art" in die für jüngere Kollegen geltende höhere Besoldungsgruppe wechseln können. Welchen Weg NRW gehen wird, ist auch neun Jahre nach Änderung der Lehrerausbildung noch vollkommen unklar.

Stand: 05.03.2018, 06:00