Sexueller Missbrauch: Wer glaubt einem Kleinkind? Teil 2

Buntstiftzeichnung eines traumatisierten Kindes

Sexueller Missbrauch: Wer glaubt einem Kleinkind? Teil 2

Seit Jahren versuchen die Eltern von Timo, herauszufinden, was ihrem Sohn in der Kita passiert ist. Trotz Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs ging die Staatsanwaltschaft seinem Fall nie nach.

Wer glaubt einem kleinen Kind?

Das Dilemma: Von einem Kindergartenkind lassen sich kaum juristisch wasserdichte Aussagen verlangen, schon gar nicht, wenn es um die traumatische Erfahrung eines Missbrauchs geht. Aber kann man eine Anklage allein auf die Aussage eines Vier- oder Sechsjährigen stützen?

Fachstellen, die Eltern direkt vom ersten Verdacht an begleiten und ihnen sagen, wie sie richtig reagieren, gibt es nur wenige. Zum Beispiel, "dem Kind sagen: 'Es ist nicht okay wenn man so etwas macht', aber keine Frage stellen!", sagt Ursula Enders von der Kölner Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch "Zartbitter".

Vernehmung mit Videoaufzeichnung

"Zartbitter" fordert, dass in solchen Fällen zu Beginn des Verfahrens eine richterliche Vernehmung mit Videoaufzeichnung stattfindet, damit das Strafverfahren aufgrund der richterlichen Aussage beginnen kann. "Leider kostet das viel Mühe", sagt Enders, "und dazu ist die Justiz bis heute nicht bereit, obwohl die rechtlichen Möglichkeiten alle vorhanden sind".

Sechs Jahre später darf Timo* seine Geschichte zum ersten Mal vor einem Gericht erzählen. Es geht allerdings um Stalking: Der Ehemann der Kindergärtnerin soll dem Jungen an einem Bahnhof mehrfach nachgestellt und ihn bedroht haben. Er bestreitet das, doch die Richter halten Timos Aussagen für glaubwürdig. Jetzt will die Staatsanwaltschaft Münster den Fall noch einmal prüfen.

* Name von der Redaktion geändert

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