Sexueller Missbrauch: Wer glaubt einem Kleinkind?

Schleppende Aufklärung bei Kindesmisshandlung Westpol 17.03.2019 UT DGS Verfügbar bis 17.03.2020 WDR

Sexueller Missbrauch: Wer glaubt einem Kleinkind?

Seit Jahren versuchen die Eltern von Timo herauszufinden, was ihm in der Kita passiert ist. Trotz Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs ging die Staatsanwaltschaft dem Fall nie nach.

Timo* schläft keine Nacht durch. Er ist ein nervöser Junge, hat Angst, das Haus zu verlassen. Der heute 14-Jährige sagt, er sei im Kindergarten vergewaltigt, gedemütigt und zudem massiv bedroht worden: "Die haben mir Dinge am Handy gezeigt, wie sie meine Eltern töten würden, wie die mich töten würden mit einer Enthauptung, und dann habe ich halt weiter die Klappe gehalten."

Mutmaßlicher Tatort: Ein evangelischer Kindergarten im Münsterland. Timo sagt: "Es hat angefangen, dass man bestimmte Dinge unter der Gürtellinie gemacht hat an mir. Dann wurde immer mehr mit mir gemacht im sexuellen Sinne."

Anzeige blieb wirkungslos

Hände

Bis heute ist Timo* schwer traumatisiert

Seinen Eltern offenbart sich Timo erst zwei Jahre später, als er acht Jahre alt ist. Sie erstatten Anzeige. Doch bis heute haben Staatsanwälte und Polizei weder ihn noch seine Eltern befragt.

Die Staatsanwaltschaft Münster schreibt auf Anfrage der WDR-Sendung "Westpol": "Eine Vernehmung der Kinder bzw. Eltern ist damals nicht erfolgt. Seinerzeit ist davon ausgegangen worden, dass eine damalige Vernehmung einen hinreichenden Tatverdacht nicht hätte begründen können."

Psychologin: Kinder zeigen eindeutige Symptome

Lügde: Wer kümmert sich um die Opfer?

WDR 5 Morgenecho - Interview 16.03.2019 05:35 Min. Verfügbar bis 15.03.2020 WDR 5

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Die damals beschuldigte Kindergärtnerin bestreitet alle Vorwürfe. Der Träger der Einrichtung beantwortet Fragen zu den Vorwürfen nicht konkret. Sein Anwalt verweist darauf, dass der Träger "… im Zuge der damaligen Ermittlungen selbstverständlich absolut kooperativ und transparent mit den staatlichen Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet hat, da diesem natürlich ebenfalls an einer Aufklärung der Vorwürfe gelegen war und dieses Interesse natürlich weiterhin fortbesteht".

Therapeutin Ulrike Giernalczyk im Westpol Interview März 2019

Therapeutin Ulrike Giernalczyk

Therapeutin Ulrike Giernalczyk, die drei Kinder aus dem Kindergarten behandelt hat, ist sicher: Sie alle sind Opfer eines Missbrauchs geworden. Alle drei hätten einschlägige Symptome gezeigt und übereinstimmend Erlebnisse beschrieben, "die man als Erwachsener kaum aushält".

Widerspruch verhallt

Timos Eltern legen Widerspruch ein, eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Generalstaatsanwalt, schalten das Justizministerium ein. Ohne Ergebnis.

Dabei hatten ein Jahr zuvor die Eltern von sieben weiteren Jungen Anzeige gegen die Leiterin des Kindergartens erstattet. Wegen Gewalt und sexuellen Missbrauchs. Damals kam die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss: Die Aussagen der Kinder seien vor Gericht nicht verwertbar.

Die Staatsanwaltschaft Münster schreibt: "Zudem bestanden aufgrund des Alters der Kinder an deren Aussagetüchtigkeit erhebliche Zweifel."

* Name von der Redaktion geändert

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