Einsamkeit - wenn niemand mehr da ist

Ältere Frau, den Kopf auf ihre Hand gestützt.

Einsamkeit - wenn niemand mehr da ist

  • Zahl älterer Menschen wächst
  • Einsamkeit kann Gesundheitsrisiko sein
  • Zukunftsaufgabe für die Politik

Die Gesellschaft in Deutschland altert, und mit dem Alter wächst das Risiko, zu vereinsamen. Kommunen müssten sich darauf vorbereiten und etwas gegen die drohende Vereinsamung ihrer Bürger tun, sagt Karin Haist von der Körber-Stiftung in Hamburg. Gemeinsam mit dem Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung untersucht die Körber-Stiftung das Phänomen Einsamkeit als Herausforderung für Politik und Gesellschaft.

Strategien gegen Einsamkeit Westpol 01.12.2019 UT DGS Verfügbar bis 01.12.2020 WDR

WDR: Frau Haist, welche Probleme entstehen durch Einsamkeit?

Karin Haist

Einsamkeitsforscherin Karin Haist

Karin Haist: Wenn Menschen sich chronisch einsam fühlen, kann das zu Bluthochdruck, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Auch das Risiko einer früheren Demenz nimmt zu. Einsame Menschen werden nachweislich früher pflegebedürftig.

WDR: Sie haben die sogenannte Babyboomer-Generation als besonders betroffen ausgemacht. Warum?

Haist: Die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 60er Jahre machen etwa ein Drittel der Bevölkerung aus. Sie stehen jetzt vor der Verrentung, das heißt, wir werden bald eine erheblich größere Zahl an Menschen haben in einem Alter, in dem Einsamkeit potentiell zunimmt. 

Andererseits sind die Babyboomer die Generation des Bildungsaufstiegs, sie gehen fit und gebildet ins Alter. Das kann sie in gewisser Weise schützen vor Einsamkeit. Aber sie sind auch Opfer der eigenen Mobilität: Einst in die Vorstädte gezogen, altern viele jetzt womöglich in einem großen Haus.

Etwa ein Drittel von ihnen lebt jetzt schon in Single-Haushalten – geschieden, verwitwet oder nie verheiratet. Die Kinder sind oft weit weg. Das alles sind Risikofaktoren, die man rechtzeitig im Blick behalten muss.

WDR: Einsamkeit im Alter bedeutet höhere Kosten – auch für die Kommunen.

Haist: Die Kommunen halten wir für die Handlungsorte, wo das gesellschaftliche Miteinander gestaltet und der demografische Wandel vorbereitet werden müssen. Wenn wir das Thema Einsamkeit im Alter nicht ernstnehmen, kommt eine große Kostenlawine auf die Gesellschaft zu. Dennoch ist es als Zukunftsthema noch nicht bei allen Kommunen angekommen.

Stand: 01.12.2019, 19:00