Tausende Sonderpädagogen fehlen an NRW-Schulen

Tausende Sonderpädagogen fehlen an NRW-Schulen

Von Martina Koch und Cedrik Pelka

  • SPD-Anfrage: 3.244 Stellen unbesetzt
  • Neuausrichtung der Inklusion in Gefahr
  • Großstädte besonders betroffen

Es sollte zum nächsten Schuljahr deutlich besser werden mit dem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern an den Schulen in NRW. Doch dafür fehlen in großem Umfang Sonderpädagogen, die den Schülern beim Lernen helfen sollen. Das zeigt eine Auswertung aus Daten von 66 Kreisen und Kommunen.

Fehlende Sonderpädagogen an NRW-Schulen

SPD-Anfrage: 3.244 Stellen unbesetzt

Die Antworten des Schulministeriums auf Anfragen der SPD-Landtagsfraktion zeigen: In NRW fehlen derzeit 3.244 Sonderpädagogen. Selbstkritisch blickt Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD, auf die eigene Regierungszeit. Es sei "schon der Fehler bei Rot-Grün" gewesen, "wenn man den Leuten den Eindruck vermittelt, dass alles gut wird, das aber nicht mit dem nötigen Personal hinterlegt." Doch wie kann man das ändern?

Mehr Studienplätze für Sonderpädagogik

Die Landesregierung hat 250 neue Plätze für Sonderpädagogik an den Universitäten eingerichtet - zu wenig, findet die SPD. Auch Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) scheint zu merken, dass die Studienplätze kurzfristig keine Probleme lösen. Deshalb soll Inklusion nicht mehr an jeder Schule stattfinden - die wenigen Lehrer sollen stattdessen an Schwerpunktschulen gebündelt werden. Dies sei notwendig, "damit die Kinder gefördert werden können", so Gebauer.

Inklusion in der Sackgasse?!

WDR RheinBlick | 09.11.2018 | 24:36 Min.

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Keine Bewerbung trotz offener Stellen

Die Zahlen aus den Kommunen zeigen allerdings: Die Einrichtung von Schwerpunktschulen scheint in vielen Großstädten gar nicht möglich. Beispiel Essen: Dort gibt es zum neuen Schuljahr so viele Förderkinder in den fünften Klassen, dass sie auf alle Schulen verteilt werden müssen - auch wenn dort zu wenige Sonderpädagogen sind.

Die Schulen dürfen zwar jetzt mehr Lehrer einstellen, finden aber niemanden. An der Gesamtschule Bockmühle in Essen fehlen zum Beispiel zehn Sonderpädagogen. Es gebe einfach keine Lehrkräfte auf dem Markt, sagt Schulleiterin Julia Gajewski. "Wir schreiben schon zum dritten Mal für Sonderpädagogik aus und es gibt noch nicht mal eine Bewerbung."

In Großstädten fehlen besonders viele Lehrer

Die Inklusionspläne der Landesregierung seien in der Theorie sinnvoll, sagt die Schulleiterin. In der Realität ändern sie in den Großstädten aber eher wenig. Auch in anderen Städten sind hunderte Sonderpädagogen-Stellen unbesetzt: In Duisburg 318, in Essen 272 und in Düsseldorf 251 - so die Angaben des NRW-Schulministeriums.

Stand: 04.11.2018, 06:00