Viele Gesundheitsämter wenden Quarantäne-Vorgaben des Landes nicht an

Wegen Corona haben die Gesundheitsämter gerade zu viel zu tun

Viele Gesundheitsämter wenden Quarantäne-Vorgaben des Landes nicht an

Von Martina Koch

Bei Corona-Fällen in Schulen soll nur das Sitzumfeld in Quarantäne. Doch eine Abfrage des WDR-Magazins Westpol bei allen 53 Gesundheitsämtern zeigt: Viele Behörden isolieren mehr Kinder.

Es geht um die Frage, wie viele Kinder bei einem Corona-Fall in der Klasse nach Hause geschickt werden: Eigentlich sollen es möglichst nur die Sitznachbarn sein, so will es die NRW- Landesregierung. Doch eine landesweite Abfrage des WDR-Magazins Westpol zeigt, dass sich aktuell mehr als 92 komplette Schulklassen in Quarantäne befinden. Und das sind nur die Zahlen von einem Drittel der Gesundheitsämter, die anderen machten dazu keine Angaben.

Das Land veröffentlicht nur die Gesamtzahl der Quarantänefälle – 30.000 Schülerinnen und Schüler waren es in der ersten Unterrichtswoche des neuen Schuljahres, 6.561 Schülerinnen waren infiziert. Die Dauer der Quarantäne beträgt bei allen 14 Tage, ein Freitesten wie bei Reiserückkehrern gibt es nicht.

Flickenteppich bei den Entscheidungen

An der Westpol-Umfrage hatten 87% der Gesundheitsämter teilgenommen. Alle geben an, individuell zu entscheiden, welche Kinder und Jugendlichen isoliert werden. Berücksichtigt wird dabei z.B., ob ständig Masken getragen wurden oder ob gelüftet und Abstand gehalten wurde. Vor dem neuen Schuljahr hatte das NRW-Gesundheitsministerium in einem Erlass klargestellt, dass möglichst nur das Sitzumfeld eines positiv Getesteten in Quarantäne geschickt werden soll. Doch nach diesen Vorgaben des Landes richten sich nur 26 Prozent der Gesundheitsämter, die geantwortet haben.

Empfehlungen des RKI sind strenger

Dortmund teilt dem WDR mit, der Erlass des Landes sei nicht bindend, weshalb man sich auch an den Richtlinien des Robert Koch-Instituts orientiere. Ein gutes Drittel der Gesundheitsämter gibt sogar an, ausschließlich nach RKI-Regelungen zu entscheiden, nach denen häufig mehr Schülerinnen und Schüler einer Klasse als Kontaktpersonen gelten. Dazu schreibt der Rhein-Erft-Kreis: "Es kann immer wieder Situationen geben - Sportunterricht in enger Turnhalle ohne Tragen eines MNS und ohne Lüften in einer Halle - wo gemäß der Empfehlungen des RKI dann auch ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden müssen."

Der Kreis Düren schickt nur Infizierte in Quarantäne

Der Kreis Düren scheint eine Ausnahme. Dort müssen an Grundschulen nur infizierte Kinder in Quarantäne, wer negativ getestet ist, darf in die Schule. Köln hat das als Modellprojekt beim Land beantragt, eine Genehmigung steht noch aus. Ganze Klassen habe man bisher nicht in Quarantäne geschickt, teilt die Stadt Köln mit.

Wirklich? Eltern der Grundschule "Am Rosenmaar" hatten sich in einem offenen Brief an die Politik darüber beschwert, dass die ganze Klasse in Quarantäne geschickt wurde, nachdem ein Kind positiv getestet war. Das Gesundheitsamt habe das mit dem gemeinsamen Mittagessen ohne Maske begründet. Doch Mitte der Woche wurde der Fall neu geprüft und nun ist nur noch das Sitzumfeld zu Hause isoliert. "Wir haben uns gefreut, dass wir mit unserem offenen Brief was bewirken konnten", so Elternvertreterin Nancy Friske.

Am Montag wollen Bund und Länder über einheitliche Quarantäneregelungen für Schulen sprechen. NRW kann sich vorstellen, nur noch Infizierte zu isolieren. Ob Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) eine solche Regelung einheitlich für alle Gesundheitsämter in NRW anordnen könnte, konnte das Gesundheitsministerium auf Westpol-Anfrage nicht beantworten.

Stand: 05.09.2021, 06:00