30 Jahre unbequem – Westpol feiert Jubiläum

Grafik 30 Jahre Westpol

30 Jahre unbequem – Westpol feiert Jubiläum

Die Zeit sei reif für ein eigenes Politik-Magazin in NRW - so ungefähr eröffnete Moderatorin Ilona Niemeyer im Januar 1992 unsere erste Sendung. Mittlerweile ist Westpol eine feste Institution.

"Wir glauben, dass hier im Westen so viel Spannendes politisch passiert, dass ein eigenes Magazin zur Politik im Westen – also 'Westpol' – längst überfällig ist." Mit diesen Worten eröffnet Moderatorin Ilona Niemeyer im Januar 1992 unsere erste Sendung. Mittlerweile ist das Magazin eine feste Institution für hintergründige, kritische und investigative Politikberichterstattung aus NRW.

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Wir schauen den Regierenden auf die Finger, sind unbequem, damals wie heute. Was die Zuschauer:innen schätzen, ist manchen Politiker:innen ein Dorn im Auge. NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement unterstellte der Redaktion mal "einen Verfall der journalistischen Sitten". In der CDU ärgerten sich etliche, als wir 2018 die Tricks der Landesregierung bei der Räumung des Hambacher Forsts aufdeckten.

Herbert Reul, NRW-Innenminister

Herbert Reul

Herr Reul, was machen Sie sonntags 19.30 Uhr? "Auf jeden Fall nicht jeden Sonntag Westpol gucken. Aber oft. In Brüsseler Zeiten hab ich das selten gemacht, jetzt hängt es von den Terminen ab. Wenn ich zuhause bin, gucke ich - es sei denn, meine Enkel sind da. Dann haben Sie verloren!"

Auch der langjährige Vorsitzende des Rundfunkrats, Reinhard Grätz, fand nicht nur Gefallen an der Sendung: "Die lieben ihr Land nicht", soll er in einer Sitzung gesagt haben. Ganz im Gegenteil: Genau weil unseren Reporter:innen Nordrhein-Westfalen am Herzen liegt, lassen sie Missstände nicht durchgehen. Wir haken nach, wenn Geld verschwendet, Recht gebrochen oder Minderheiten benachteiligt werden.

Norbert Walter-Borjans, ehemaliger NRW-Finanzminister

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD)

"Ich finde eine solche Sendung wichtig. Auf der anderen Seite hatte man immer den Eindruck, die Redaktion hat sich in ein Thema verbissen, was ja journalistisch erstmal richtig gut ist. Auf der anderen Seite weiß man, man macht seinen Job und hängt sich rein und begegnet immer einem Grundmisstrauen, ob die Politiker das Beste für das Land wollen. Dann hat man immer einen gewissen Konflikt mit Sendungen und Redaktionen und ich darf nicht verhehlen, dass das ab und zu so war."

Bärbel Höhn, ehemalige NRW-Umweltministerin

Bärbel Höhn

"Ich finde, dass sie wirklich hart nachfragen, auch bei Vertretern der Landesregierung. Da geht es schon zur Sache. Das erwarte ich auch von einem politischen Magazin. Damit erfüllen sie ihre Funktion zu kritisieren und zu schauen, wo läuft was schief. Das führt ja auch bei einem selber zu einer Verbesserung: selber überlegen, was habe ich falsch gemacht. Das macht Westpol ganz gut."

Immer wieder machen wir mit unseren Recherchen bundesweit Schlagzeilen - etwa, als wir die Flüchtlingsmisshandlungen in Burbach, den Giftmüllskandal bei Envio oder die Corona-Verstöße bei Westfleisch aufdeckten. Seit drei Jahrzehnten wachsamer Chronist der Landespolitik zu sein und mit kritischem Blick zu berichten, das ist vor allem in Wahljahren eine Herausforderung für die Redaktion. Denn auch wir merken, wie sich politischer Diskurs und Erwartungen an den Journalismus verändern.

Westpol feiert Geburtstag: Alle Moderatoren der letzten 30 Jahre

Drei Jahrzehnte Westpol - das sind 30 Jahre, in denen unterschiedliche Gesichter die Sendung geprägt haben - oder das noch heute tun.

Ilona Niemeyer als Moderatorin der allerersten Westpol-Sendung am 07.01.1992

Erstaunlich gelassen wirkte Ilona Niemeyer, als sie am 7. Januar 1992 die allererste Westpol-Sendung anmoderierte. Nein, der WDR wolle nicht einen neuen Pol neben Nord- und Südpol erfinden, versicherte sie den Zuschauern - aber ein landespolitisches Magazin im Westen sei "überfällig". Bis 1997 war sie das Gesicht des neuen Politik-Magazins. Aus Ilona Niemeyer wurde Ilona Wuschig, 1997 wechselte sie zum MDR und übernahm dort die Redaktion für Landespolitik. Heute ist Wuschig Professorin für Fernsehen und Medien an der Hochschule Magdeburg Stendal.

Erstaunlich gelassen wirkte Ilona Niemeyer, als sie am 7. Januar 1992 die allererste Westpol-Sendung anmoderierte. Nein, der WDR wolle nicht einen neuen Pol neben Nord- und Südpol erfinden, versicherte sie den Zuschauern - aber ein landespolitisches Magazin im Westen sei "überfällig". Bis 1997 war sie das Gesicht des neuen Politik-Magazins. Aus Ilona Niemeyer wurde Ilona Wuschig, 1997 wechselte sie zum MDR und übernahm dort die Redaktion für Landespolitik. Heute ist Wuschig Professorin für Fernsehen und Medien an der Hochschule Magdeburg Stendal.

Neben der ersten Moderatorin erschien bald auch ein männliches Gesicht auf dem Westpol-Bildschirm: Christian Trippe. Er verschrieb sich später den Themen Außen- und Sicherheitspolitik, war Korrespondent der Deutschen Welle in Kiew, Moskau und Brüssel und leitete das DW-Hauptstadtstudio in Berlin. Er ist Mitherausgeber des Handbuchs "Kriegs- und Krisenberichterstattung", das 2008 erschien. Heute leitet Trippe das Ressort Sicherheits- und Gesellschaftspolitik bei der Deutschen Welle.

Mit von der Partie war bald auch Moderator Cornelius Bormann - durch und durch ein WDR-Gewächs. Bormann war zuvor bereits Parlamentskorrespondent in der damaligen Hauptstadt Bonn und Korrespondent in Washington gewesen. Sieben Jahre lang leitete er dann das Hörfunk- und Fernsehstudio Düsseldorf. Zuletzt, bis 2001, war Bormann ARD-Korrespondent in Warschau. Nach seiner Pensionierung widmete er sich dem Theologiestudium.

Auch sie war in den 1990er Jahren mal ein bekanntes Westpol-Gesicht: Sabine Rau, heute Leiterin des Pariser ARD-Studios. Von Düsseldorf wechselte sie als Korrespondentin nach Berlin.

Viele Jahre prägte dann Harald Brand das Westpol-Magazin - auch er ein WDR-Urgestein. Einst Leiter der Kölner Tagesschau-Redaktion, kam Brand über die ARD-Stationen Moskau und Bonn ins Funkhaus Düsseldorf. Als stellvertretender Studioleiter war er auch für die "Aktuelle Stunde" zuständig. Bis zu seiner Pensionierung im November 2006 war Brand Chefredakteur der NRW-Landesprogramme - und Moderator bei Westpol. Als Brand im Januar 2018 im Alter von 76 Jahren starb, würdigte ihn WDR-Intendant Tom Buhrow als "starke Persönlichkeit", der mit zum "hohen Ansehen" der WDR-Landesprogramme beigetragen habe.

Auch sie machte während ihrer abwechslungsreichen Karriere Station bei Westpol: Miriam Meckel. Von 1995 bis 1999 moderierte sie das Magazin, wurde danach Regierungssprecherin des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement. Sie war Chefredakteurin der "Wirtschaftswoche", ist seit 2005 Professorin an der Universität von St. Gallen und betreibt die digitiale Weiterbildungsinitiative ada.

Aus dem WDR Landesstudio Dortmund kam Ralf Kapschack in den 1980ern nach Düsseldorf und widmete sich hier vor allem der Landespolitik. Er war dabei, als Westpol entstand und von 1995 bis 2004 Leiter der Redaktion Landespolitik im WDR-Fernsehen. Als langjähriges SPD-Mitglied wurde Kapschack 2010 Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion NRW. Seit 2013 saß er als direkt gewählter SPD-Abgeordneter im Bundestag. Zur Bundestagswahl 2021 trat er aber nicht mehr an.

Viele Zuschauer kannten ihn bereits als Gesicht der "Aktuellen Stunde" oder von "WDR aktuell": Anfang des Jahrtausend war Jens Olesen auch hin und wieder bei Westpol zu sehen. Meist mit Umfrageergebnissen und Hochrechnungen - manchmal auch als Moderator.

Vielen treuen Westpol-Zuschauern dürfte dieses Gesicht besonders vertraut sein: Knapp 19 Jahre lang - bis 2019 - moderierte Sabine Scholt die Sendung. Seit 2004 war sie zudem Leiterin der Redaktion Landespolitik Fernsehen des WDR und seit 2006 stellvertretende Chefredakteurin der WDR-Landesprogramme. 2019 wechselte Scholt in die Leitung der WDR Programmgruppe Zeitgeschehen, Europa und Ausland.

Seit Dezember 2006 Chefredakteurin der NRW-Landesprogramme im WDR Fernsehen, stieg Gabi Ludwig 2007 bei Westpol mit ein - meist im Wechsel mit Kollegin Sabine Scholt.

2017 stieß Henrik Hübschen zum Moderatorenteam. Der studierte Politikwissenschaftler ist seit 2009 Redakteur bei Westpol. Bevor er zum WDR kam, war Hübschen EU- und Frankreichkorrespondent der Deutschen Welle in Brüssel.

Jüngstes und neuestes Gesicht bei Westpol seit 2020: Siham El-Maimouni. Gestartet als Radiomoderatorin - unter anderem bei Cosmo - ist ihr Gesicht mittlerweile einem breiten Fernsehpublikum bekannt: Seit 2014 moderiert El-Maimouni auch die Sendung mit der Maus, einmal im Monat führt sie durch die Sendung "titel, thesen, temperamente".

Was uns freut: Mehr Menschen schalten sonntags ein. Zu Beginn, 1992, haben 160.000 Nordrhein-Westfalen die Sendung gesehen, heute sind es jeden Sonntag fast 900.000. Die vergangenen beiden Jahre waren die erfolgreichsten in der Westpol-Geschichte und sind Ansporn für 2022. Die Sendung wird sich weiter entwickeln, doch in einem bleiben wir uns treu: Hintergründig und informativ über Politik in NRW berichten und, wenn nötig, unbequem sein.

Andreas Pinkwart, NRW-Wirtschaftsminister

Andreas Pinkwart

"Bei uns in der Familie ist es eher so, dass meine Frau sich Westpol anschaut. Ich bin eher jemand, der sich die kritischen Beiträge erst am nächsten Tag ansieht, beziehungsweise sich mitteilen lässt, wie es gewesen ist. Dann kann ich mir den Sonntagabend etwas ruhiger gestalten."

Stand: 07.01.2022, 17:14