AfD-Fraktionschef Wagner ließ Sohn und Schwiegermutter impfen

Ärger um geimpfte Politiker Westpol 28.02.2021 UT DGS Verfügbar bis 28.02.2022 WDR

AfD-Fraktionschef Wagner ließ Sohn und Schwiegermutter impfen

Von Boris Baumholt und Marc Steinhäuser

Der AfD-Fraktionschef Markus Wagner ist nicht nur selbst bereits geimpft - nach Westpol-Recherchen sind es auch mehrere Familienmitglieder.

Die Affäre um bereits geimpfte Landtagsabgeordnete weitet sich aus: Nach Recherchen des WDR-Magazins Westpol hat der AfD-Fraktionsvorsitzende Markus Wagner in seiner Sozialeinrichtung auch seinen 16-jährigen Sohn und seine 81-jährige Schwiegermutter gegen das Coronavirus impfen lassen. Wagner bestätigte dies am Wochenende dem WDR.

FDP-Abgeordneter Bombis bereits zurückgetreten

Vor zehn Tagen hatte der WDR zuerst darüber berichtet, dass die Landtagsabgeordneten Ralph Bombis (FDP) und Markus Wagner (AfD) sich und ihre Frauen hatten impfen lassen. Bombis begründete dies damit, dass er mehrere Pflegeeinrichtungen leite und die Patienten vor einer Corona-Infektion schützen wollte.

Nachdem bekannt wurde, dass in Bombis Heimen auch Personen aus seinem "engen persönlichen Umfeld" geimpft wurden, trat der liberale Landtagsabgeordnete am Donnerstag von allen Ämtern in der FDP, auch aus dem NRW-Landesvorstand zurück. Sein Mandat im Landtag will Bombis aber offenbar bis zur nächsten Wahl im Mai 2022 behalten.

Bildkombo: Markus Wagner (links) und Ralph Bombis (rechts)

Personen aus dem persönlichen Umfeld geimpft: Wagner und Bombis

Im Fall von Markus Wagner erhielten nach Westpol-Recherchen sogar zwei Familienmitglieder eine Vorzugsbehandlung. Obwohl er laut Impfpriorisierung des Bundes wahrscheinlich noch lange nicht an der Reihe wäre, hat Anfang Februar der 16-Jährige Sohn Wagners eine Impfung erhalten. Dieser spielt als Nachwuchs-Fußballer für den FC Bayern München.

Wagner: Sohn wegen Kontakt zu Bewohnern geimpft

Doch der AfD-Fraktionsvorsitzende im Düsseldorfer Landtag rechtfertigt das Vorgehen nicht mit Verweis auf die Fußballkarriere seines Sohnes - sondern gibt an, "der Junge" solle in den Familienbetrieb "hineinwachsen." Deshalb arbeite er auch immer wieder in der Eingliederungshilfe für psychisch Kranke im Kreis Minden-Lübbecke. "Er hat mit den Bewohnern Spiele gespielt und gebastelt" und "den Hausmeister unterstützt oder Bewohner mit dem Therapiehund begleitet", teilte Wagner mit.

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AfD-Politiker Wagner erklärte gegenüber dem WDR, durch die Impfung seiner Familienmitglieder habe kein Mitarbeiter oder Bewohner auf eine Impfung verzichten müssen. Zudem seien sogar noch mehrere Personen der örtlichen Feuerwehr in seinen Räumlichkeiten geimpft worden. Wagner sagt, er habe als Vorbild agieren und die Impfquote erhöhen wollen.

Laut Impfverordnung haben 16-Jährige keine Priorität

Die Impfverordnung sagt dagegen: 16-Jährige sind laut Bundesregierung erst ab Gruppe 4 für eine Impfung gegen das Coronavirus vorgesehen. Also frühestens in einigen Monaten. Und Über-80-Jährige, die nicht selbst in Heimen wohnen, müssen in NRW eigentlich einen Termin im Impfzentrum machen.

Solche Abkürzungen auf dem Weg zur Immunisierung stehen seit Wochen in der Kritik. Um gegen Impfdrängler vorzugehen, hatte die Große Koalition in Berlin unlängst ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro vorgeschlagen.

Stand: 28.02.2021, 10:59