Brisante Chats belasten auch AfD-Bezirkschef in Münster

Showdown in der AfD? Westpol 03.03.2019 UT DGS Verfügbar bis 03.03.2020 WDR

Brisante Chats belasten auch AfD-Bezirkschef in Münster

Von Christopher Bonnen, Wigbert Löer und Bernd Neuhaus

  • "Menschenverachtende" Aussagen in AfD-Chats
  • Bisher offenbar keine Konsequenzen
  • Seifen droht "Flügel"-Leuten mit Rauswurf

"Westpol" hat den AfD-Landeschef Helmut Seifen mit den Aussagen seiner Parteifreunde konfrontiert. Seifen nannte die Postings "unerträglich", "entsetzlich" und "widerwärtig" - sprach von einer "Katastrophe". Dass solche Leute in der AfD seien, sei "einfach nur unglaublich".

Seifen sagte weiter: "Das Material, was wir bis jetzt im Einzelfall vorliegen hatten, war weit unter dem, was ich jetzt hier sehe, war nicht so menschenverachtend; war parteischädigend, aber nicht menschenverachtend." Der Landeschef sprach von möglichen Ausschlussverfahren. Er wolle aber dem Landesvorstand nicht vorgreifen.

"Ohne Bürgerkrieg light wird's nicht laufen"

Denn Seifen müsste sich auch gegen den einflussreichen Chef des AfD-Bezirks Münster Steffen Christ durchsetzen. Er sucht die Nähe zum "Flügel" und schrieb in die WhatsApp-Gruppe: "Ohne einen Bürgerkrieg light wie bei Erdogan wird's nicht laufen."

Gegenüber dem WDR rechtfertigt er sich. "Bürgerkrieg light" und "Zustände wie unter Erdogan", dem türkischen Präsidenten, seien für ihn und die AfD "insgesamt in keinster Weise mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar". Es sei um die Frage gegangen, "wie weit der von den Altparteien zu verantwortende Verfall der bürgerlichen Ordnung noch voranschreiten muss", bis endlich ein Politikwechsel in Deutschland möglich werde.

Streit über Ausrichtung der NRW-AfD

Der AfD-Landesvorsitzende Seifen sagt im "Westpol"-Interview zu den Äußerungen von Steffen Christ, dieser habe in der Partei "nichts zu suchen". Seifen müsste sich bei möglichen Ausschlussverfahren vermutlich auch gegen seinen deutlich rechteren Co-Vorsitzenden Thomas Röckemann durchsetzen.

AfD-Sprecher Helmut Seifen (li.) und Thomas Röckemann

AfD-Sprecher Helmut Seifen (li.) und Thomas Röckemann

Seit Monaten streiten Röckemann und Seifen über die Ausrichtung der Partei in NRW. Röckemann sagte noch Ende vergangenen Jahres, es gebe "keine Nazis in der AfD" und forderte Seifen zum Rücktritt auf. Dem WDR gegenüber wollte sich Röckemann aktuell nicht äußern.

Halber Landesvorstand "im Schützengraben"

Doch rund 20 Funktionäre aus dem Großraum Köln zeigten sich kürzlich in einem E-Mail-Wechsel, der dem WDR vorliegt, nahezu verzweifelt. Die Hälfte der Mitglieder des Landesvorstands liege "im Schützengraben", stellt demnach ein Kreischef fest.

Martin Renner, AfD

Martin Renner, AfD

Der Streit und auch die internen Dokumente könnten die Rufe nach einem Sonderparteitag lauter werden lassen. Im "Westpol"-Interview hat der frühere Landesvorsitzende Martin Renner bereits angekündigt, an die Parteispitze zurückkehren zu wollen.

AfD – Fall für den Verfassungsschutz Aktuelle Stunde 15.01.2019 02:59 Min. UT Verfügbar bis 15.01.2020 WDR Von Henry Bischoff

Stand: 03.03.2019, 13:30