Showdown in der AfD - Aufruhr wegen brisanter Chats

Showdown in der AfD - Aufruhr wegen brisanter Chats

Von Christopher Bonnen, Wigbert Löer und Bernd Neuhaus

  • "Menschenverachtende" Aussagen in AfD-Chats
  • Bisher offenbar keine Konsequenzen
  • Seifen droht "Flügel"-Leuten mit Rauswurf
Kommentare (29)

Es ist eine Nachricht per WhatsApp, die ein Kreisvorsitzender aus dem Rheinland verschickt haben soll: eine Hasenfigur mit Hitler-Gesicht und der Aufschrift "Frohe Ostern Kameraden". Ein anderer schreibt mit Blick auf das Deutschland der Nationalsozialisten in eine Gruppe namens "integrativ-konservativ", man müsse sich für das Dritte Reich nicht schämen.

Als es ums Schießen geht und die Bereitschaft, sich mit Waffen zu verteidigen, merkt ein weiterer AfD-Mann in der Gruppe an: "Als Jäger, Reserveoffizier der Uschi-Truppe und Polizeibeamter bin ich sowas von im Training."

Probleme mit "Nazi-Sprech"

Dem WDR liegen zahlreiche dieser Chats vor. Der Administrator der Gruppe "integrativ-konservativ" bestätigt im Interview mit dem Magazin "Westpol" (03.03.2019, 19.30 Uhr), dass es durchaus Probleme mit "Nazi-Sprech" gebe. Er verwahre sich aber gegen die Äußerungen und will die Leute aus der Gruppe ausschließen.

Die Vorgänge sind offenbar Gegenstand einer internen Aufarbeitung: zwölf Schreiben gerichtet an die entsprechenden Mitglieder. In den Schreiben werden manche Aussagen als "teils staatszersetzend" und "menschenverachtend" bezeichnet. Gedroht wird mit zweijährigen Ämtersperren.

Interne Aufarbeitung bisher ohne Konsequenzen

Am Ende der Schreiben steht, der AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen behalte sich vor, den Vorgang "dem Bundesamt für Verfassungsschutz oder Staatsschutz weiterzuleiten".

Partei , AfD Alternative für Deutschland

NRW-AfD ist tief gespalten

Konsequenzen gab es allerdings bislang: keine. Die Schreiben wurden nicht abgeschickt. Das lag vielleicht auch daran, dass der Landesverband tief gespalten ist.

Auf der einen Seite stehen die nach eigener Wahrnehmung bürgerlichen Kräfte. Ihnen gegenüber agieren Anhänger und Vertreter des "Flügels", der radikal rechten AfD-Gruppierung um Björn Höcke. Die "Flügler" halten die Gemäßigten für Spalter und Karrieristen.

Stand: 03.03.2019, 14:23

Kommentare zum Thema

29 Kommentare

  • 29 Marianne Vogt 05.03.2019, 02:40 Uhr

    Die NRW-AfD muss sich nicht wundern, wenn ihre Umfragewerte nur noch einstellig sind und immer weiter zurückgehen, wenn sie sich einen Parteivorsitzenden wie Helmut Seifen hält. Seifen betreibt das Geschäft des Gegners!!! Seifen scheint seine Hauptaufgabe darin zu sehen, die eigene Partei öffentlich mit Schmutz zu bewerfen. Eigentlich wäre es die Aufgabe eines Parteivorsitzenden, die eigene Partei öffentlich in Schutz zu nehmen. Seifen spielt hingegen "Zeuge der Anklage" für die Gegner und Feinde der AfD. Erst vor wenigen Tagen hat er in einem Interview mit der FAZ gegen weite Teile der eigenen Partei agitiert und gegen Björn Höcke - und damit gegen einen Vorsitzenden in einem Bundesland, in dem in wenigen Monaten - für die AfD schicksalsentscheidende - Landtagswahlen stattfinden. Hätte Seifen auch nur die geringste Rücksicht für den Erfolg und das Wohl der AfD als Ganzes, hätte er sich verbal zurückgehalten.

    Antworten (1)
    • Ernie 05.03.2019, 09:21 Uhr

      "Zeuge der Anklage"? Dann gibt es wohl ein "Verbrechen", welches Ihrer Meinung nach der Parteivorsitzende einfach ignorieren soll?

  • 28 Manuel Wächter 05.03.2019, 01:54 Uhr

    Eines kann man mit Sicherheit sagen: Mit den sogenannten "Gemäßigten" in der AfD ist Deutschlands Zukunft bereits jetzt verloren. Da kann man genauso gut auch gleich die etablierten Parteien wählen. Jedwede politische Maßnahme, die jetzt notwendig sein wird, um Deutschland auch nur ansatzweise retten zu können, würde von diesen Leuten von vorneherein als "menschenverachtend" und "staatszersetzend" verworfen werden. Und selbst wenn Sie sie nicht von vorneherein verwerfen, würden Sie bei der leisteten Kritik der etablierten Medien sofort einknicken. Ähnlich wie die etablierten Parteien, denen sie kaum noch Kritik entgegenbringen, erheben sie ihre Stimme praktisch nur noch gegen die eigene Partei. Sie wettern und agitieren gegen die vermeintlichen "Radikalen" in der eigene Partei - also jene, die wirklich etwas verändern wollen - und bedienen sich dabei immer mehr einem Duktus und einer Wortwahl der Linken.

  • 27 Lars Neuberger 04.03.2019, 19:14 Uhr

    Danke für Ihren Bericht, der uns alle wachrütteln muss. Eine "Partei", die immer wieder in Kategorien von Waffeneinsatz im Innern denkt, um sich vor wie auch immer gearteten "Feinden" zu schützen, die bewegt sich eindeutig jenseits unserer verfassungsgemäßen Ordnung. Nur eine Bitte: Setzen Sie den Begriff "Drittes Reich" lieber in Anführungszeichen - das ist Nazi-Sprech, erfunden vom Reichspropagandaministerium. Sollten wir uns nicht unkritisch zueigen machen. Danke!

  • 26 Gall, Wolfgang 04.03.2019, 18:43 Uhr

    Eklatante Verstöße gegen das Fernmeldegeheimnis verletzt!

    Antworten (1)
    • Sky 04.03.2019, 23:58 Uhr

      Wie kommen Sie jetzt darauf? Es steht nicht im Artikel wo die Nachrichten herkommen. Sie könnten von jemandem aus der Gruppe weitergeleitet worden sein. Man sollte nicht immer gleich Vorwürfe machen.

  • 25 Manuela Dienhart 04.03.2019, 17:20 Uhr

    Diese seltsame Partei hat wohl wirklich gar nichts aus dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte gelernt... Es ist wirklich zum Weinen!

  • 24 Günter 04.03.2019, 15:58 Uhr

    Die Frage ist woran erkennt man einen Demokraten? An eine Hasenfigur mit Hitler-Gesicht und der Aufschrift "Frohe Ostern Kameraden"? Wohl kaum!

  • 23 Erftger Blum 04.03.2019, 14:59 Uhr

    Unter den Kommentaren wieder schönster whataboutismus. Es ist justizabel Frau Roth zu unterstellen, dass sie gesagt habe "Ich scheiß auf Deutschland". Das wurde nun schon mehrfach ausführlichst widerlegt. Wer anderes behauptet ist entweder nicht fähig Fakten aus den Medien zu beziehen, oder verbreitet bewusst fake news, weil es in das "jeweilig" rechtsversiffte weltbild passt.

  • 22 GreiweHome 04.03.2019, 13:11 Uhr

    Bei uns tagen AFD Mitglieder nicht in der Öffentlichkeit, also in Hinterzimmern. Kenne Reichsbürger, die vorher NPD oder REP Nähe zeigten als Sympathisanten. Frauke Petry sagt klar und deutlich daß diese Vertreter Nationalen Sozialismus wollen. Da sind die Grundideen von LUCKE nicht mehr wiederzufinden.

  • 21 Manfred T. 04.03.2019, 12:52 Uhr

    Ich weigere mich mittlerweile den Äußerungen einiger Kameraden hier zu legitimieren. Das was hier gemacht wurde ist alles andere, als linksversifft, warum lässt man den sonst Leute aus unserer Partei sprechen? Komisch, dass diejenigen, denen jetzt Vorwürfe gemacht werden, sich nie in persona zu solchen Aussagen äußern wollen und stets nur Emailanfragen mit wundersamen Umschreibungen absenden. Man wird ja teilweise selbst als "linksversifft" dargestellt, wenn man sich in der Whatsapp-Grupee des eigenen Ortsvereins gegen Aussagen auf Stammtisch-Niveau oder vermeintlich lustige Wehrmachts-Sprüche. Ich finde es auf deutsch gesagt zum Kotzen, die wahren Spalter nämlich, die kommen von Rechtsaußen und folgen blind dem Höcke-Flügel!

  • 20 Karla 04.03.2019, 10:56 Uhr

    Auch AFD Politiker und deren Wähler sind Gebührenzahler und haben ein Recht auf neutrale Berichterstattung ! Entgleisungen einer Minderheit können nicht allen angelastet werden, wir haben keine Sippenhaft. Wünsche mir eine ebenso „engagierte“ Berichterstattung, oder sollte ich sagen Meinungsmache bei Entgleisungen aus den links/grünen Lager. Oder sind das Privatpatienten die den 3fachen Gebührensatz bezahlen ?

  • 19 Fritz Müller 04.03.2019, 10:56 Uhr

    Das wird sich irgendwann legen, daß war bei den Grünen doch auch so. Immer wenn es nichts besonderes gibt, muß halt die AfD herhalten.