Minister: "Bei Jugendämtern muss sich etwas ändern"

Die Not der Kinder Westpol 19.05.2019 UT DGS Verfügbar bis 19.05.2020 WDR

Minister: "Bei Jugendämtern muss sich etwas ändern"

  • Keine einheitliche Erfassung in Jugendämtern
  • Stamp: "Expertise muss vorhanden sein"
  • Minister will Vorschläge Anfang Juli präsentieren

Nach den Kindesmissbrauchsfällen von Lügde hat der WDR bei den Jugendämtern nachgefragt, wie viele Verdachtsmeldungen sie verzeichnen. Dabei wurde deutlich, dass Fälle von sexueller Gewalt in den Jugendämtern nicht einheitlich erfasst und bearbeitet werden. NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) möchte das ändern.

WDR: Welche Lehren ziehen Sie aus den Vorfällen in Lügde?

Joachim Stamp: Die Dimension dieses Verbrechens ist so groß, dass wir in aller Ruhe und mit den Experten überlegen müssen, was jetzt die richtigen Maßnahmen sind. Es gibt auch noch eine große Anhörung im Landtag, die wir abwarten wollen, ehe wir mit den Vorschlägen in die Öffentlichkeit gehen.

Joachim Stamp (FDP)

Stamp: "Bei den Jugendämtern muss sich etwas ändern."

Bei den Jugendämtern muss sich etwas ändern. Wir haben als Jugendministerium gar nicht die Aufsicht über die Jugendämter. Dennoch ist es mir ein Anliegen, dass wir qualitativ sicherstellen können, dass Jugendämter anders vorbereitet sind. Damit sie, wenn es Meldungen gibt, auch mit der Prävention und auch Hinweisen auf sexualisierte Gewalt gegen Kinder anders umgehen können.

WDR: Wo sehen Sie aktuell Schwachpunkte?

Stamp: Wir müssen auf jeden Fall dafür sorgen, dass in den jeweiligen Jugendämtern die entsprechende Expertise vorhanden ist. Nicht nur bei Kindeswohlgefährdung, sondern auch speziell bei der Frage der sexualisierten Gewalt gegen Kinder.

Mir ist es ganz wichtig, dass wir Betroffenenverbände anders einbeziehen in der Beurteilung auch bei dem, was nun an Schritten notwendig ist. Wir haben damit bereits begonnen, weil die sich anders auskennen mit Täterstrukturen.

WDR: Viele Jugendämter definieren einen "Fall" von Kindesmissbrauch anders. Wünschen Sie sich hier eine Vereinheitlichung?

Stamp: Ich würde mir an der Stelle mehr Klarheit wünschen. Es gibt Sachbearbeiter, die haben eine relativ geringe Fallzahl, bearbeiten aber noch viele anderen Themen nebenher. Andere sind fokussiert auf diesen Bereich.

Ganz entscheidend ist, dass wir die notwendige Expertise in den jeweiligen Jugendämtern haben, damit sie auch die Fälle erkennen. Und natürlich muss dann auch dafür gesorgt werden, dass nicht zu viele Fälle von einer Person bearbeitet werden.

WDR: Nach Rückmeldungen zu unserer Umfrage wünschen sich viele Kommunen eine landesweit einheitliche Erfassung der Fälle. Wird es die künftig geben?

Stamp: Das wollen wir sicherstellen. Aber auch das müssen wir mit den Experten besprechen, wie wir das am besten machen. Dafür reden wir mit den kommunalen Spitzenverbänden, Betroffenenverbänden oder Landesjugendämtern. Wir wollen zu einer Linie kommen, bei der klar ist, dass sie in der Praxis funktioniert. Das ist die große Herausforderung.

WDR: Wie schnell können Sie hier Änderungen versprechen?

Stamp: Es gibt verschiedene Vorschläge - etwa nach einer Kommission oder einem Beauftragten. Beides kann sinnvoll sein, es kann auch eine Kombination sinnvoll sein. Wir werden unsere Vorschläge Ende Juni oder Anfang Juli präsentieren.

Das Interview führte Marc Steinhäuser.

Stand: 20.05.2019, 06:00