Nur noch halb so viel neues Grundwasser

Dürre schlecht für die Landwirtschaft

Nur noch halb so viel neues Grundwasser

Von Sabine Tenta

  • Die Neubildung von Grundwasser hat sich binnen 20 Jahren halbiert
  • Antworten der NRW-Landesregierung auf Große Anfrage der Grünen
  • Folgen des Klimawandels deutlich messbar

Das hat der grüne Landtagsabgeordnete Norwich Rüße noch nie erlebt: Der 53-jährige Nebenerwerbslandwirt aus dem Münsterland hat im Oktober gepflügt – und zum ersten Mal habe es im Herbst dabei gestaubt. Die Dürresommer 2018 und 2019 wirken nach. Die Neubildung des Grundwassers, die über versickernden Regen erfolgt, hat sich in den letzten 20 Jahren halbiert.

Schadstoff-Konzentration steigt

Norwich Rüße (Grüne) neben einer Wasserflasche im Fraktionssaal der Grünen im NRW-Landtag

Norwich Rüße

Das ist Klimakrise in konkreten Zahlen, mit handfesten Folgen: "Durch die abnehmende Grundwassermenge steigt die Konzentration von Schadstoffen in unseren Gewässern", so Rüße. Problematisch sei die zunehmende Versiegelung von Flächen, der Verlust von Grünland.

Die Grünen hatten eine Große Anfrage zum Wasser in NRW gestellt. Die Grundwasserzahlen gehören für Rüße zu den überraschendsten Ergebnissen. Am Mittwoch (11.12.2019) stellten die Grünen die Antworten der Landesregierung in Düsseldorf vor.

Medikamente im Wasser

Nitrate, Pestizide, Mikroplastik aus Kosmetika, Autoreifen-Abrieb – das Wasser in NRW hat einiges in sich und die Kläranlagen entsprechend viel zu tun.

Problematisch sind auch Medikamentenreste, die über den Urin in den Wasserkreislauf geraten. Wenn Krankenhäuser ihr Abwasser durch Aktivkohle filtern würden, könnte ein Teil dieser Schadstoffe frühzeitig aufgefangen werden, so Rüße.

Der Durst der Getränkeindustrie

Aus dem Wasserhahn komme Trinkwasser höchster Güte, es sei "keinen Deut schlechter ist als das Wasser in Flaschen", beteuert der grüne Umweltpolitiker.

Die Getränkeindustrie entnimmt dennoch immer mehr Grund- und Oberflächenwasser: Seit 1990 ist der Wert von 82,7 Liter pro Kopf auf 147,7 Liter angestiegen.

Wasser-Verbrauch insgesamt rückläufig

Aber die Verbraucher sind sparsamer geworden, ihr Wasserverbrauch ist in den letzten 30 Jahren von 152,7 Liter pro Einwohner und Tag auf 133,1 Liter gesunken. Dass in ganz NRW der Verbrauch sogar um 30 Prozent zurückging, liege unter anderem am Wegfall der wasserintensiven Textilindustrie in NRW, erklärt Rüße.

Kritik und Lob für die Regierung

"Wir sind eine Überfluss-Gesellschaft, die sehr achtlos mit ihren Ressourcen umgeht", mahnt Rüße. Der Landesregierung wirft er vor, "in einer Beobachterrolle" zu sein, zu wenig zu tun. Aber er lobt auch: "Die Faktenlage ist sehr gut aufbereitet."

In der Tat lesen sich die über 200 Seiten wie ein grundlegender Wasserstand zu einem der wichtigsten Rohstoffe in NRW. Aus diesen Fakten wollen die Grünen in den kommenden Monaten konkrete Vorschläge erarbeiten und als Anträge in den Landtag einbringen.

Wasser für NRW: Überraschende Geschichten über unsere Talsperren Quarks Folge 23 01.10.2019 44:29 Min. UT DGS Verfügbar bis 01.10.2024 WDR

Stand: 11.12.2019, 14:11