Was NRW für den Radverkehr tut

Fahrradfreundlichste Stadt in NRW

Was NRW für den Radverkehr tut

Von Thomas Drescher

  • Platz für Räder oder für Autos?
  • 2019: 47 Millionen für NRW-Radverkehr
  • Landtag NRW will Fahrradgesetz verabschieden

Glaubt man den Worten von Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU), dann ist Nordrhein-Westfalen schon heute das Fahrradland Nummer 1 in Deutschland. Aber ist das Realität oder bloß Wunschdenken? In der Wahrnehmung vieler Radler ist allerdings noch reichlich Luft nach oben.

Wo gibt es die größten Probleme für Radfahrer?

Die größten "Baustellen" in puncto Radverkehr liegen dort, wo der Verkehrsminister nicht oder nur sehr eingeschränkt zuständig ist: in den großen und kleinen Städten des Landes.

Eine echte Herausforderung - Fahrradpolitik in NRW

WDR RheinBlick 18.10.2019 37:52 Min. Verfügbar bis 18.10.2020 WDR Online

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Die größte Herausforderung sei die Umverteilung der Verkehrsfläche in den Städten, glaubt Ute Symanski. Sie ist die Sprecherin der Volksinitiative "Aufbruch Fahrrad", die letztes Jahr mehr als 200.000 Unterschriften sammelte und damit eine Befassung des Landtags erkämpfte. Nun will der Landtag die Forderungen der Volksinitiative aufgreifen und ein Fahrradgesetz verabschieden - das erste in einem Flächenbundesland überhaupt. Aber bei aller Einigkeit: Bis dahin ist es noch ein längerer Weg.

"Nur das Fahrrad kann unsere Städte retten", glaubt Symanski, selbst kampferprobte Radlerin in Köln. Bis 2025 will die Volksinitiative den Anteil des Radverkehrs an NRWs Gesamtverkehr von derzeit acht auf 25 Prozent erhöhen. Auch Minister Wüst hält das nicht für utopisch.

Ute Symanski von der Initiative "Aufbruch Fahrrad"

Ute Symanski, Volksinitiative "Aufbruch Fahrrad"

Aber dafür bräuchte es, so Symanski, die Bereitschaft der (Lokal-)Politik, die Privilegien des Autoverkehrs abzubauen. "Es kann nicht sein, dass die Fläche für die Autos unangetastet bleibt". Damit gemeint sind: Sperrung von einzelnen Fahrspuren zugunsten des Radverkehrs, Ausweisung von Fahrradstraßen, Umwidmung von Parkraum. Solche Pläne sorgen gerade in vielen Städten für hitzige Diskussionen.

Gute Radwege und Radschnellwege

Für Radwege an Land- und Bundesstraßen ist nun allerdings das Land zuständig. Und zusätzlich für die oft zitierten Radschnellwege. Das sind vier Meter breite und zweispurig ausgebaute Radwege, die Städte miteinander verbinden und Pendler zum Umstieg auf flotte Elektroräder ermuntern sollen.

An erst einer dieser "Radautobahnen" wird gebaut: Es ist der Radschnellweg Ruhr, kurz RS1. Von den 101 Kilometern zwischen Duisburg und Hamm ist erst ein kleiner Teil fertig. Weitere Abschnitte sind im Bau oder in Planung. 1.000 Kilometer Radschnellwege will der "Aufbruch Fahrrad" für ganz NRW. Beim derzeitigen Tempo wird das viele Jahrzehnte dauern. Ob das Fahrradgesetz eine Beschleunigung bringt?

Zu mehr gedrängt?

In den gesamten Radverkehr flossen letztes Jahr aus der Landeskasse mehr als 47 Millionen Euro: 9,5 Millionen in Bau und Planung von Radschnellwegen, 8,5 Millionen in die Radwege an Bundesstraßen, 17 Millionen in die Förderung von kommunalen Radwegen und 12,4 Millionen in den Bau neuer Radwege.

"Das Land wird wohl von der Gesellschaft dazu gedrängt werden, noch mehr zu tun", meint Iko Tönjes vom fahrradfreundlichen VCD. Auch er hält den innerstädtischen Ausbau von Radwegen für vorrangig. Für ihn geht es vor allem um das Thema Sicherheit. Denn Erfahrungen zeigen, wenn Menschen sich auf den Wegen und an Kreuzungen sicher fühlen, steigen sie auch auf das Rad um.

Stand: 27.02.2020, 06:00

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