Waldzustandsbericht: Tiefpunkt seit Aufzeichnungsbeginn

Waldzustandsbericht: Tiefpunkt seit Aufzeichnungsbeginn

Von Sabine Tenta

Noch nicht mal mehr ein Viertel der Bäume im NRW-Wald ist gesund. Das ist das Ergebnis des aktuellen Waldzustandsberichts. Die Landesregierung hält mit Wiederbewaldung dagegen.

"Einen ganz klitzekleinen Lichtblick gibt es", sagt NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2020 am Freitag in Düsseldorf. Als Optimistin steige sie mit einer guten Botschaft ein. Und die lautet, dass 23 Prozent der Bäume ohne Schäden sind, im letzten Jahr seien es nur 19 Prozent gewesen.

Wenn das schon als Lichtblick durchgeht, ist klar, wie dramatisch es um den Wald steht. Die ernüchternden Zahlen dazu liefert ein 93-seitiger Bericht. Es sind die schlechtesten seit Beginn der Aufzeichnung dieser Langzeitbeobachtung, die 1984 startete. Der Klimawandel sei in NRW angekommen, so die Bilanz von Heinen-Esser.

Der Waldzustand in Zahlen

44 Prozent der Bäume zeigen eine deutliche Kronenverlichtung, die oberste Schadenskategorie. Also fast jeder zweite Baum ist massiv geschädigt. Besonders stark betroffen ist die Fichte. Der dritte Dürre-Sommer in Folge und der massive Befall mit Borkenkäfern machen ihr zu schaffen.

Besonders eindrücklich ist ein Wert namens "Absterbe-Rate" - hier schießt die Kurve für die Fichte in der Grafik steil nach oben (im Bericht auf S. 19). Im Jahr 2020 sind über 10 Prozent des Fichtenbestands abgestorben. Der langjährige Absterbe-Rate-Mittelwert für alle Baumarten lag bis 2018 bei 0,21 Prozent. 2019 kletterte die Zahl auf 2,4 Prozent und hat sich 2020 fast verdoppelt und liegt nun bei 3,98 Prozent.

Kompletter Umbau des Wald-Systems

Die Tage der Fichten-Monokulturen in NRW sind gezählt. Wer künftig noch schnurgerade Fichten-Reihen wie Soldaten aufstellen will, muss dies auf eigene Kosten machen. Eine zukunftsfeste Umgestaltung des Waldes wird hingegen finanziell vom Land gefördert. Ein "Wiederbewaldungskonzept" sieht vor, künftig Bäume in Gruppen zu pflanzen - und zwar als Mischwald mit - wenn möglich - mindestens vier verschiedenen Baumarten, die trockenresistenter sind. Welcher Baum an welchem Standort besonders gut klar kommt, ist auf digitalen Standort-Karten für Waldbesitzer einzusehen .

Das Land fördert die Wiederaufforstung im Jahr 2020 mit insgesamt 57 Millionen Euro. Die Mittel für dieses Jahr seien vergeben, 19 Millionen bereits ausgezahlt und pro Woche würden weitere 3 Millionen Euro folgen. Heinen-Esser verweist auf weitere Fördermöglichkeiten des Bundes für das laufende Jahr. 500 Millionen Euro stünden hier ingesamt zur Verfügung.

Die oppositionellen Grünen im NRW-Landtag begrüßen grundsätzlich die Förderung von Mischwald-Wiederaufforstungen. Aber sie regen an, zusätzlich Gesetzesverschärfungen zu prüfen. Damit der Anbau von Mono-Kulturen künftig nicht nur ohne Fördermittel bleibt, sondern komplett verboten wird.

Ausblick auf den Winter

Zum Ende der Vorstellung des Berichts wirft die Umweltministerin noch einen Blick auf den bevorstehenden Winter. Auch wenn die Menschen es am liebsten kalt und trocken hätten: Ein feucht-milder Winter sei genau das, was der Borkenkäfer nicht möge. Zum "klitzekleinen Lichtblick" gesellt sich also am Ende noch ein kleiner Trost, sollte der Winter verregnet sein.

NRW untersucht Waldzustand

WDR 5 Westblick - aktuell 13.07.2020 04:13 Min. Verfügbar bis 13.07.2021 WDR 5 Von Jochen Hilgers


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Probleme bei der Holzgewinnung Markt 15.07.2020 06:41 Min. UT Verfügbar bis 15.07.2021 WDR Von Judith Schaller, Dirk Bitzer

Stand: 20.11.2020, 13:48