Nachwuchspolitiker: Das müssen sich junge Abgeordnete alles anhören

Nachwuchspolitiker: Das müssen sich junge Abgeordnete alles anhören

Erhalten Nachwuchspolitiker zu wenig Respekt? Diese Frage wird bei Twitter heftig diskutiert unter #diesejungenleute. Junge Landtagsabgeordnete berichten.

Verena Schäffer ist seit 2010 Abgeordnete im Landtag. Die heute 31-jährige Grünen-Politikerin berichtet im Westpol-Interview über das Verhalten älterer Parlamentskollegen. Besonders im männlich dominierten Innenausschuss habe sie sich in ihrer Anfangszeit etliche dumme Sprüche anhören müssen, sagt die Parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion. Leider sei oftmals auch sexistische Diskriminierung im Landtag an der Tagesordnung.

Dümmster Spruch kam vom Koalitionspartner

Was war der dümmste Spruch? Schäffer erzählt von Verhandlungen mit dem damaligen Koalitionspartner SPD. Da habe ein Sozialdemokrat der Grünen-Innenexpertin gesagt: "Wir sind hier nicht bei der Grünen Jugend!". Schäffer: "Was damit gemeint war: Sei nicht so dogmatisch, idealistisch, naiv. Das hat mich massiv geärgert. Ich hatte sehr gute Gründe für meine Argumentation, die dann einfach so hinweggewischt wurde."

"Sind Sie der Praktikant?"

Auch der FDP-Abgeordnete Alexander Brockmeier kann von herablassenden Sprüchen berichten. Er sei beispielsweise für den Praktikanten eines älteren FDP-Politikers gehalten worden, sagte der 25-Jährige, der seit 2017 dem Landtag in Düsseldorf angehört.

Seit einigen Tagen läuft bei Twitter unter #diesejungenleute eine Diskussion über die Erfahrungen von Nachwuchspolitikern - teils auch über Berufsanfänger anderer Branchen. Juso-Chef Kevin Kühnert, der derzeit als rhetorisch versierter Kopf der NoGroKo-Bewegung in der SPD gilt, berichtete zum Beispiel von Reportern, die den 28-Jährigen manchmal distanzlos duzten. Die "Bild"-Zeitung nannte ihn Milchgesicht, andere hatten Kühnert gefragt, ob er in einer WG lebe.

Brockmeier räumt allerdings auch ein, dass es manchmal sogar von Vorteil ist, als Anfänger unterschätzt zu werden. Kann das Jung-Sein also in gewissem Sinne sogar besonders angesagt gerade in der Politik - etliche jüngere Politiker (etwa Österreichs Kanzler Sebastian Kurz oder FDP-Chef Christian Lindner) machten in den letzten Jahren Karriere? Nach Einschätzung der Grünen Schäffer müssen gerade junge Frauen im Parlamentsgeschäft besonders qualifiziert und gut vorbereitet sein.

Gerade in Ausschuss-Sitzungen seien die unqualifizierten Sprüche von "unvorbereiteten älteren Männern" gekommen, sagt Schäffer. Sie selbst habe immer "200 Prozent vorbereitet sein" müssen, "alles gelesen haben, um ernst genommen zu werden".

Bei Twitter berichten noch weitere Jung-Abgeordnete über ihre Erfahrungen.

Stand: 28.01.2018, 06:30