Zahl der Verkehrstoten in NRW auf Tiefststand gesunken

Eine Polizistin winkt einen Lastwagen von der Autobahn

Zahl der Verkehrstoten in NRW auf Tiefststand gesunken

Von Rainer Striewski

Corona hat sich auch deutlich auf den Verkehr in NRW ausgewirkt. Noch nie gab es seit Beginn der Aufzeichnungen so wenig Verkehrstote in NRW. Bei Zweirädern sieht die Bilanz anders aus.

"Der Rückgang ist erfreulich. Trotzdem könnten die Zahlen besser sein." NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat am Mittwoch die Verkehrsunfallstatistik für NRW vorgestellt. Demnach hat es noch nie so wenig Verkehrstote gegeben wie im Corona-Jahr 2020: 430 Menschen haben im vergangenen Jahr auf den Straßen NRWs ihr Leben verloren, 26 weniger als 2019. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt ist um 16,4 Prozent gesunken, auf gut 556.000.

Mehr tödliche Autobahn-Unfälle - Tempolimit als Lösung?

Montage: Geschwindigkeitsbegrenzung 120 auf einer Autobahn

Kommt das Tempolimit auf Autobahnen?

Allerdings starben auf den Autobahnen im vergangenen Jahr 63 Menschen - und damit 13 mehr als 2019. Bei der Hälfte der Unfälle war zu hohe Geschwindigkeit die Hauptursache. "Während der Pandemie waren die Straßen zwar leerer, das schützt aber nicht davor, ordentlich Gas zu geben und sich tot zu rasen", so Reul.

Die aktuellen Zahlen haben den Innenminiser nachdenklich gemacht. Hatte er ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen bislang immer abgelehnt, räumte er nun ein: "Jetzt bin ich sehr unsicher geworden."

Reul sieht ein "Pedelec-Problem"

Gestiegen ist im vergangenen Jahr auch die Zahl der Pedelec-Unfälle. 2020 verunglückten laut Reul 3.897 Pedelec-Fahrer in NRW - ein Plus von rund 44 Prozent im Vergleich zu 2019. 30 Fahrerinnen und Fahrer kamen bei Pedelec-Unfällen ums Leben, sieben mehr als 2019.

Mehr als die Hälfte der verunglückten Pedelec-Fahrer waren über 65 Jahre alt. "Es ist ja toll, dass ältere Menschen mobil werden wollen und auch mobiler sind, aber es muss auch sicher sein. Für sie und für die anderen Verkehrsteilnehmer", so Reul. Er appellierte dabei an die Verkäufer von E-Bikes, vermehrt Probefahrten für ihre Kundschaft anzubieten.

Während die Zahl der Pedelec-Unfälle 2020 angestiegen sind, sank die Zahl der Fahrradunfälle um vier Prozent. Daraus schließt Reul: "Wir haben ein Pedelec-Problem." Für eine Helmpflicht möchte er sich aber derzeit nicht stark machen: "Ich glaube an die Vernunft der Menschen."

Raser weiter im Blick

Ein Tacho bei über 300 km/h

Zahl der illegalen Autorennen deutlich gestiegen

Ein weiteres Problem sieht Reul in der Raserzene. 1.515 illegale Autorennen registrierte die Polizei im vergangenen Jahr - so viele wie noch nie. Im Jahr davor waren es noch 766. Fünf Menschen kamen letztes Jahr durch verbotene Rennen ums Leben: ein Fahrer, drei Beifahrer und ein Kind. "Diese Raser gefährden und töten nicht nur sich selbst, sondern auch unbeteiligte Dritte. Deshalb greifen wir hier hart durch", sagte Reul.

Kein Kind auf Schulweg gestorben

Das Bild zeigt zwei Kinder mit Schulranzen auf dem Rücken auf dem Weg zur Schule.

63 Prozent weniger Schulwegunfälle im Jahr 2020

Im Bereich der Schulwegunfälle sind die Zahlen dagegen deutlich gesunken vermelden - schließlich hatten die Schulen 2020 ja auch lange geschlossen. Kein Kind kam 2020 auf dem Schulweg ums Leben. 2019 hatte es hier noch zwei tote Kinder gegeben. Insgesamt hat ist die Zahl der Schulwegunfälle um 63 Prozent gesunken.

Allerdings wurde durch Corona auch die Präventionsarbeit bei den Kleinsten erschwert: "Wir dürfen momentan zum Beispiel nicht wie gewohnt in die Kitas für die Verkehrserziehung. Das ist einfach Mist", so Reul.

Stand: 10.03.2021, 13:37

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