Urananreicherung in Gronau - NRW-Grüne drängen auf Aus

Urananreicherungsanlage Gronau Urenco

Urananreicherung in Gronau - NRW-Grüne drängen auf Aus

Von Sebastian Galle & Per Quast

In Deutschland werden in diesem Jahr die letzten drei Atomkraftwerke abgeschaltet. In anderen europäischen Ländern erlebt der Atomstrom dagegen eine Renaissance. Beliefert werden sie auch mit angereichertem Uran aus NRW.

Am 31.12.2021 wurde das Atomkraftwerk im schleswig-holsteinischen Brokdorf abgeschaltet. Das Kraftwerk, das wie kein zweites in Deutschland für den Protest gegen die Kernenergie stand, war eines der Letzten, das überhaupt noch in Betrieb war. Ende 2022 wird Deutschland keinen eigenen Atomstrom mehr produzieren, ganz ausgestiegen ist man aus der Produktion aber trotzdem nicht.

Urananreicherung in Gronau

Direkt an der niederländischen Grenze im Kreis Borken steht Deutschlands einzige Anlage zur Urananreicherung, die zweitgrößte der Welt. Die Firma Urenco stellt hier in Gronau angereichertes Uran her, Grundstoff für Brennstäbe für Atomreaktoren auf der ganzen Welt. Auch gegen diese Anlage wird seit Jahrzehnten demonstriert. Matthias Eickhoff findet, in Gronau würde der deutsche Atomausstieg unterlaufen:

Atomkraftgegner Matthias Eickhoff

„Wer in Deutschland den Uranbrennstoff herstellt für den Betrieb weltweit, hat mit Atomausstieg nichts zu tun. Das gefährdet Menschen in allen möglichen Regionen, die von hier aus beliefert werden.“

Die Anlage in Gronau ist vom beschlossenen Atomausstieg nicht betroffen, denn hier wird kein Atomstrom produziert. Stattdessen wird das angereicherte Uran später in Reaktoren weltweit, auch im europäischen Ausland verwendet. Hier könnte der Bedarf in Zukunft wieder steigen.

Rennaissance der Atomenergie in Europa

Während in Deutschland Ende 2021 weiter abgeschaltet wurde, ging in Europa das erste Mal seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima wieder ein neuer Reaktor ans Netz. Olkiluoto III in Finnland wird dort auch von den Grünen in der Regierung begrüßt, um bei der Stromproduktion nicht auf fossile Energieträger wie Kohle angewiesen zu sein. Auch der französische Präsident Macron kündigte gerade den Bau neuer, fortschrittlicher Reaktoren an und die neue niederländische Regierung plant in ihrem Koalitionsvertrag den Bau zweier neuer Atomkraftwerke.

Als Grund nennen die Regierungen alle den Kampf gegen die Erderwärmung. Da die Kernenergie keine Treibhausgase freisetzt, will auch die EU-Kommission Investitionen in Atomkraftwerke unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich einstufen.

Das sei rational, heißt es von Urenco. Schließlich brauche der Umbau einer klimafreundlichen Wirtschaft riesige Mengen an Strom. Deutschlandchef Jörg Harren hält die Pläne der europäischen Nachbarn für richtig:

Jörg Harren Urenco Deutschland

„Natürlich sehen wir das als Urenco-Gruppe sehr positiv, dass man in der Europäischen Union mehrheitlich einen pragmatischen Weg wählt, um der Klimakrise zu begegnen und auch die Energieversorgung sicherzustellen. In Deutschland ist dieses Thema bekanntermaßen passé.“

Atomgegner fordern konsequenten Ausstieg aus Kernkraft

Die Atomgegner um Matthias Eickhoff sehen die Grünen dagegen nun in der Pflicht, denn zum ersten Mal in der Geschichte sind alle Schlüsselressorts der Bundesregierung, das Wirtschafts-, Umwelt- und Außenministerium von den Grünen besetzt. Auch die NRW-Vorsitzende Mona Neubaur setzt auf die Parteifreunde in der Bundespolitik, den Atomausstieg nicht länger auf die Kernkraftwerke zu beschränken:

Mona Neubaur Grüne NRW

„Tatsächlich gibt es Gutachten, die sagen, es gibt eine gute Möglichkeit, rechtssicher die Anlage zu schließen. Das alles sich jetzt anzugucken, dafür sind die jetzt in Verantwortung stehenden - auch grünen - Ministerinnen und Minister gefragt. Es gibt einen dringenden Bedarf, da zu handeln."

Vom Bundesumweltministerium heißt es, es bleibe das Ziel, die Anlage in Gronau stillzulegen, allerdings sei das auch aufgrund von internationalen Verpflichtungen mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Im Koalitionsvertrag der Ampelparteien findet sich allerdings nicht zum Standort Gronau. Ob und wenn überhaupt, wann die Urananreicherung in Gronau abgeschaltet wird, bleibt also offen.

Aus Sicht von des Chefs von Urenco Deutschland, Jörg Harren, wäre eine Schließung ein politischer Fehler: "Das wäre ein Signal ohne Wirkung, weil man eben kein einziges Kraftwerk nicht mehr mit Brennstoff versorgen könnte, nur weil Gronau nicht mehr da ist. Diese Mengen würden von anderen Ländern, beispielsweise Russland, übernommen werden. Insofern macht das gar keinen Sinn." 

Im Interview mit Westpol widerspricht der Urenco Deutschlandchef auch der Darstellung am Standort Gronau solle künftig Reaktorforschung betrieben werden. Entsprechende Zeitungsberichte hatten für Aufregung bei Atomgegnern gesorgt. Der Geschäftsführer stellt klar, dass die Forschungsabteilung in Gronau sich auch künftig ausschließlich mit der Brennstoffentwicklung beschäftige.

Stand: 09.01.2022, 10:00