Härtere Strafen für Kamerablicke unter den Rock gefordert

Frauen in Röcken

Härtere Strafen für Kamerablicke unter den Rock gefordert

Von Nina Magoley

  • Gegen "Upskirting" kein Gesetz in Deutschland
  • Männer fotografieren fremden Frauen unter den Rock
  • NRW-Politiker fordern eigenes Strafgesetz

Der Begriff klingt harmlos: "Upskirting" - das könnte alles Mögliche bedeuten. Gemeint ist aber ein Phänomen, das wahrscheinlich nicht neu ist, im Zeitalter von sozialen Medien aber für betroffene Frauen eine viel verletzendere Dimension annimmt, als der Vorgang ohnehin schon hat.

Männer filmen oder fotografieren Frauen heimlich unter den Rock. Mit dem Handy oder kleinen Kameras, die am Schuh befestigt sind. An der Supermarktkasse, in der U-Bahn, auf dem Schulhof, im Gedränge auf offener Straße. Die Bilder, auf denen die fotografierten Frauen oft gut zu erkennen sind, gelangen ins Internet.

"Abstoßendes Phänomen"

Ein "abstoßendes Phänomen", wie der Ausschuss für Gleichstellung und Frauen im NRW-Landtag befand - und es am Donnerstag (09.05.2019) als Thema auf die Tagesordnung nahm. "Upskirting ist sexuelle Belästigung", sagt Ausschusssprecherin Susanne Schneider (FDP). Dafür brauche es ein eigenes Gesetz. Auch Ausschussmitglied Josefine Paul (Grüne) spricht von einer "Form der sexualisierten Gewalt". Das Fotografieren unter den Rock, so ihre Forderung, müsse unter das Sexualstrafrecht fallen und ein eigener Straftatbestand werden.

In Großbritannien ist das schon geschehen. Als Reaktion auf eine Kampagne der Britin Gina Martin stellte die Regierung das Upskirting mit dem "Voyeurism Offences Act 2019" kürzlich unter Strafe. Tätern drohen dort bis zu zwei Jahren Gefängnis.

Zwar ist in Deutschland nach Paragraf 201a im Strafgesetzbuch - "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs" - die Verbreitung solcher Aufnahmen strafbar, das Fotografieren selber aber ist demnach nur in privaten und geschlossenen Räumen verboten. Dazu gehören auch Toiletten oder Umkleidekabinen, öffentliche Räume aber eben nicht.

Nach Auskunft des NRW-Frauenministeriums erfasste die Polizei in NRW 2018 insgesamt 2.023 Fälle unter diesem Paragrafen, bis März 2019 waren es 450. Allerdings fallen auch noch diverse andere Straftaten darunter.

Datenschutzverordnung könnte helfen

Einen Paragrafen, der genau dieses Verhalten verbietet, finde man im Strafgesetzbuch nicht, stellt der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke fest. Allerdings könne die neue Datenschutzverordnung in diesem Fall wertvoll sein: Indem sich betroffene Frauen gegen die Plattform wenden, bei der ein solches Foto veröffentlicht wurde und diese wegen der Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte belangen.

In einer Petition mit dem Titel "Verbietet #Upskirting in Deutschland!", die sich an die Bundesregierung richtet, fordern nun zwei junge Frauen ein wirksames Gesetz. Mehr als 30.000 Unterschriften haben sie schon.

Stand: 09.05.2019, 16:02