Hochschulbeschäftigte: Unzufrieden, auch ohne Corona

Bild eines leeren Hörsaals

Hochschulbeschäftigte: Unzufrieden, auch ohne Corona

Von Christoph Ullrich

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat eine Studie zu den Arbeitsbedingungen der Hochschulbeschäftigten vorgelegt. Erhoben wurde sie vor der Corona-Pandemie, die Ergebnisse sind verheerend.

"So kann man die Kolleginnen und Kollegen wohl kaum für eine wissenschaftliche Laufbahn begeistern", sagt die stellvertretende DGB-Chefin in NRW, Sabine Graf. Es ist das ernüchternde Fazit der erstmals durchgeführten Untersuchung.

5.500 Datensätze von 19 NRW-Hochschulen hat das Berliner Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer für den DGB ausgewertet. Besonders im Blick dabei die Rahmenbedingungen für des sogenannten akademischen Mittelbaus und den Angestellten in Verwaltung und Technik.

Zeitdruck, Zukunftsangst, schlechte Bezahlung

Laut amtlicher Statistik waren im Jahr 2018 81,4 Prozent der wissenschaftlich und künstlerisch Beschäftigten befristet angestellt. Wenig überraschend daher, dass sich in der Studie bei vielen Betroffenen Sorgen um die Zukunft und eine starke Belastung zeigten. Zwei Drittel berichten davon, die Möglichkeiten für die persönliche Weiterentwicklung wird allgemein als schlecht bewertet.

Und das alles - so die Studie - bei hoher Arbeitsintensität: Überstunden sind offenbar an der Tagesordnung: "Zeitdruck bei der Arbeit, Unterbrechungen während der Arbeit, fehlende Informationen, nicht zu vereinbarende Arbeitsanforderungen, und die Notwendigkeit, Abstriche bei der Qualität der Arbeit machen zu müssen, um das Arbeitspensum zu erfüllen", so beschreibt Dietmar Hobler das, was die Daten ihm gezeigt hätten. Er hat für das beauftragte Institut die Studie durchgeführt. Auch bei der Bezahlung sind die Ergebnisse eher ernüchternd.

Daten aus der Zeit vor Corona

Dabei ging es noch nicht um die Folgen aus der Corona-Pandemie. Die Daten wurden vor einem Jahr abgegfragt und bis zuletzt ausgewertet. Die Krise selber spielte also bei der Untersuchung keine Rolle. Gewerkschafterin Graf glaubt aber, dass die Pandemie die Lage nur noch verschärft habe.

Im Sommersemester wurde die Lehre an den Hochschulen komplett digital durchgeführt, auch im Winter gibt es deutlich weniger Seminare und Vorlesung vor Ort auf dem Campus. Das stelle besonders den Mittelbau vor Aufgaben, die Lehre zu organisieren.

Es sei daher "alarmierend, dass die Beschäftigten der Hochschulen die Arbeitsbedingungen schlechter bewerten als Akademiker insgesamt", so Graf. Der DGB fordert deshalb eine spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie eine Entfristungsoffensive durch die Hochschulen, sonst würde absehbar der Bildungsauftrag Schaden nehmen.

SPD will mehr als "warme Worte"

Dem stimmt auch die SPD-Opposition im Landtag zu. Der hochschulpolitische Sprecher der Partei, Dietmar Bell, kritisierte, dass die Studie eine Mahnung an die Landesregierung sei, "dass Hochschul- und Wissenschaftspolitik aus mehr besteht als warmen Worten."

Auf WDR-Anfrage hieß es aus dem Ministerium, man habe gemeinsam mit dem Bund und den Hochschulen Absprachen getroffen, die Beschäftigung an den Hochschulen zu verbessern. Eine entsprechende Vereinbarung beginnt 2021 und beinhaltet auch das Ziel, mehr Mitarbeiter zu entfristen.

Stand: 19.11.2020, 09:55

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