Volle Talsperren vor Unwetter: Ministerium will Konsequenzen ziehen

Volle Talsperren vor Unwetter: Ministerium will Konsequenzen ziehen

Von Christian Wolf

Weil sie zum Teil schon vorher fast komplett voll waren, konnten die Talsperren in NRW die Regenmassen beim Unwetter nicht auffangen. Das Umweltministerium kündigt Konsequenzen an.

Hans-Jörg Lieberoth-Leden, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft im NRW-Umweltministerium

Hans-Jörg Lieberoth-Leden aus dem NRW-Umweltministerium

Nach der verheerenden Unwetterkatastrophe könnte es Konsequenzen im Umgang mit den Talsperren geben. Es geht darum, ob es richtig war, im Vorfeld keinen Puffer zu lassen und die Becken fast vollständig zu füllen. "Man wird überlegen müssen, ob man aus diesem jetzigen Ereignis für die grundsätzliche Steuerung der Talsperren Konsequenzen zieht und da Möglichkeiten sieht, größere Reserven zu schaffen", sagte Hans-Jörg Lieberoth-Leden, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft im NRW-Umweltministerium dem WDR. Dies werde mit den Wasserversorgern und Talsperrenbetreibern besprochen.

Was lernen wir aus dem Hochwasser?

WDR RheinBlick 23.07.2021 29:53 Min. Verfügbar bis 23.07.2022 WDR Online


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Vielerorts waren die Becken schon vor den angekündigten Regengüssen fast komplett voll. Die Wuppertalsperre war zum Beispiel am Wochenende davor zu 98 Prozent gefüllt, die Neyetalsperre sogar zu 100 Prozent. Die zusätzlichen Regenmassen konnten nicht mehr aufgefangen werden und die Becken liefen über.

Füllstände der Talsperren des Wupperverbandes am 11.07.2021

Füllstände der Talsperren des Wupperverbandes am 11.07.2021

Diskussionen über Füllstände im Vorfeld

Die Problematik war den Verantwortlichen bekannt. "Die Talsperren waren dieses Jahr in der Tat im Juni überproportional voll. Das hat auch den ein oder anderen Wasserverband überrascht. Wir haben mit den Wasserverbänden intensive Diskussionen bis in die letzte Zeit gehabt, wie viel Vorhaltung von Wasser mit Blick auf Trockenzeiten notwendig und sinnvoll ist“, sagte Lieberoth-Leden.

Hätte ein Ablassen des Wasser geholfen?

Es sei aber unklar, "inwiefern es möglich gewesen wäre, sozusagen vorsorglich zusätzlich Wasser aus Talsperren abzulassen, um dann ein bestimmtes zusätzliches Stauvolumen zu haben, bevor die Hochwasserentlastung anspringt". Das müsse nun analysiert werden.

Dabei wird genau das gerade getan. Der Wasserverband Eifel-Rur hat mit einer erhöhten Abgabe aus der Rur- und Urfttalsperre begonnen. Damit soll neuer Stauraum für den angekündigten neuen Starkregen geschaffen werden.

Hochwasser statt Dürre

Zudem verweist Lieberoth-Leden darauf, dass die Talsperren in den Jahren 2018 bis 2020 aufgrund der Trockenheit "extrem niedrig gefüllt waren". Dieses Jahr habe es stattdessen eine "Aufstauphase" gegeben, weshalb die Talsperren als "ausreichend gefüllt" angesehen worden seien, um mit einem trockenen Sommer klarzukommen. Dass es nun stattdessen zu einem schweren Hochwasser gekommen ist, sei "völlig außergewöhnlich".

Auch der Wupperverband verteidigt sich. Im Sommerhalbjahr sei in den Talsperren mit Brauchwasser kein Hochwasserschutzraum vorgesehen, heißt es in einer Erklärung. Stattdessen solle wegen der zunehmenden Dürresommer möglichst viel Wasser vorgehalten werden. Und: "Um die Wupper-Talsperre ab Vorliegen einer konkreten Vorhersage für das Wuppergebiet um mehr als die Hälfte zu entleeren, reichte die Zeit nicht aus." Ein zu schnelles Ablassen des Wassers hätte zu einer Flutwelle noch vor dem eigentlichen Hochwasser geführt.

Stand: 23.07.2021, 14:19