Landrat zu Lügde: Keine Fehler beim Jugendamt

Untersuchungsausschuss Lügde: Die ersten Zeugenaussagen

Landrat zu Lügde: Keine Fehler beim Jugendamt

  • Untersuchungsausschuss Kindesmissbrauch in Lügde
  • Landrat des Kreis Lippe als Zeuge
  • Sowohl für Jugendamt als auch für Polizei verantwortlich

Axel Lehmann, Landrat im Kreis Lippe, ist eine zentrale Figur bei den Ermittlungen dazu, was im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde alles schief gelaufen ist - bevor es zur Entdeckung kam und auch danach. Am Montag (22.06.2020) war der SPD-Politiker als Zeuge vor den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) im NRW-Landtag geladen.

Als oberster Dienstherr ist Lehmann auch für das Jugendamt Lippe verantwortlich. Dort aber hatte man sich für das Pflegeverhältnis auf dem Campingplatz nicht zuständig gesehen - obwohl es längst deutlich Hinweise darauf gab, dass es dort sexuelle Gewalt an mindestens einem Kind geben könnte.

Zudem ist Lehmann Chef der Kreispolizei Lippe, der im Lauf der späteren Ermittlungen mehrfach eklatante Fehler unterlaufen sind. Bei den Ermittlungen, die nach der Aufdeckung des systematischen Kindesmissbrauchs folgten, war es wiederholt zu teils abstrusen Versäumnissen und Pannen bei der Polizei gekommen. So waren unter anderem Asservate aus einer Polizeibehörde verschwunden.

"Keine Fehler der Behörde"

Doch vor dem Ausschuss am Montag nahm der SPD-Politiker die Mitarbeiter seines Kreisjugendamts in Schutz: Es habe keine Fehler seiner Behörde gegeben, auch wenn im Nachhinein einige Erkenntnisse anders zu bewerten seien, erklärte er.

Die zentralen Fehler seien vielmehr im Bereich des benachbarten Jugendamts Hameln-Pyrmont gemacht worden. Die Akte des Mädchens, das über Jahre von seinem Pflegevater im Kreis Lippe missbraucht wurde, wurde in Hameln-Pyrmont geführt, weil dessen Mutter dort lebte. Zwar hatte sich eine misstrauisch gewordene Jobcenter-Mitarbeiterin bereits Ende 2016 an das Jugendamt in Lippe gewandt. Ihr waren zweideutige Aussagen des 56-jährigen Pflegevaters und Haupttäters Andreas V. alarmierend vorgekommen. Von dort aus waren ihre Hinweise nach Hameln-Pyrmont gegangen, aber dort versickert.

Aus Angst, dass der Kreis Lippe in "Sippenhaft" genommen werde mit dem Nachbarkreis, der seiner Auffassung nach klar zuständig für den Haupttäter gewesen sei, habe er eine gemeinsame Medienstrategie mit seinem niedersächsischen Landratskollegen abgelehnt, sagte Lehmann.

Dennoch Entschuldigung

Dennoch: In einem einstündigen Eingangsstatement entschuldigte sich der Landrat für Fehler, die auch in seinen Behörden passiert seien. Definitiv habe es Probleme bei der polizeilichen Ermittlung gegeben. Von "offensichtlichen Fehlern" sprach Lehmann - unter anderem bezogen auf das Verschwinden von Asservaten. Das sei "nicht akzeptabel", daher habe er den leitenden Beamten vom Dienst entbunden.

Jahrelanger Kindesmissbrauch in Lügde

Zehn Jahre lang waren im ostwestfälischen Lügde Kinder sexuell missbraucht worden. Im September 2019 waren die beiden Hauptangeklagten vom Landgericht Detmold zu hohen Haftstrafen wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt worden - einschließlich anschließender Sicherungsverwahrung.

Beide sollen jahrelang in mehr als 200 Fällen mehr als 30 Kinder schwer sexuell missbraucht haben. Die Opfer waren zur Tatzeit zwischen vier und 13 Jahren alt. Zuvor war der dritte Mittäter, Heiko V., bereits zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte mehrmals per Internet live beim sexuellen Missbrauch von Kindern zugeschaut und auch Anweisungen gegeben. Das milde erscheinende Urteil hatte viel Empörung ausgelöst.

Stand: 22.06.2020, 16:35