Missbrauchsfall Lügde: Täter schon 1980 aufgefallen?

Missbrauchsfall Lügde: Täter schon 1980 aufgefallen?

Im NRW-Landtag hat eine frühere Polizeibeamtin zum Missbrauchsfall Lügde ausgesagt. Nach ihrer Erinnerung soll es dort noch früher zu einem Vorfall gekommen sein.

Es sind neue unheimliche Fragen, die eine Zeugenaussage im Düsseldorfer Landtag zum Missbrauchsfall Lügde aufwirft. Gab es noch deutlich früher als bisher bekannt Vorfälle auf dem Campingplatz? Oder in der näheren Umgebung? Das zumindest legen die Berichte einer früheren Polizeibeamtin der Kreispolizei Lippe nahe, die am Freitag im Untersuchungsausschuss aussagte. Die inzwischen 83-Jährige war bis vor 20 Jahren als Polizistin tätig und erinnerte sich an frühere Ermittlungen.

Erinnerung an früheren Polizeieinsatz

Die Ex-Polizistin schilderte im Landtag, dass es bereits um das Jahr 1980 wegen eines sexuellen Übergriffs einen Polizeieinsatz auf dem Campingplatz in Lügde Elbrinxen gegeben haben soll. Damals habe ein Jugendlicher einem sechs oder sieben Jahre alten Mädchen an einer Grundschule pornographische Bilder gezeigt. Später habe das Mädchen ihn auf einem Foto identifizieren können.

Es soll sich dabei laut Erinnerung der Zeugin um den mittlerweile verurteilten Haupttäter im Fall Lügde, den 57-Jährigen Dauercamper Andreas V., gehandelt haben. Damit stellt sich für die Abgeordneten im Landtag nun die Frage, ob der Lügde-Täter bereits als Jugendlicher sexuelle Gewalt ausgeübt haben könnte - und ob es bei der Polizei darüber weitere Erkenntisse gibt.

Vorfall an alter Grundschule in Lügde?

Nach bisherigen Erkenntnissen sind erste Taten im Missbrauchsfall Lügde Ende der 90er Jahre dokumentiert worden, diese Angaben spielten auch im Gerichtsprozess im Sommer 2019 eine Rolle. Zu noch früheren Vorfällen gab es bisher keine öffentlich bekannten Ermittlungen.

Im Untersuchungsauschuss des NRW-Landtags berichtete die frühere Polizistin, sie habe nach dem Vorfall an der alten Grundschule den beschuldigten Jugendlichen auf dem Campingplatz in Lügde angetroffen, wo er bei seinen Eltern oder Großeltern gelebt hat. Alle drei sollen die Vorwürfe bestritten haben. Die Eltern von Andreas V. besaßen damals bereits eine Parzelle auf dem Campingplatz, später zog die gesamte Familie aus dem Ruhrgebiet auf den Campingplatz.

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WDR RheinBlick 04.06.2020 25:58 Min. Verfügbar bis 04.06.2021 WDR Online


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Abgeordnete sehen Aufklärungsarbeit "massiv erschwert"

Die neuen Schilderungen im Untersuchungsausschuss dürften strafrechtlich längst verjährt sein. "Wir werden das wohl nicht mehr verifizieren können, aber ins Bild passen würde es schon", sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Josefine Paul nach der Ausschusssitzung.

Laut der Ex-Polizistin soll der Vorfall aus den Jahren um 1980 damals offenbar an das Jugendamt Duisburg weitergegeben worden sein. Dort habe die Familie von Andreas V. zunächst gewohnt.

Eine Aufklärung der offenen Fragen im Fall Lügde wird nach Ansicht einiger Parlamentarier "massiv erschwert." Noch immer fehlen den Abgeordneten Akten aus einigen Behörden. Die SPD-Fraktion kritisierte deshalb am Nachmittag NRW-Justizminister Biesenbach und beklagte, dass Ermittlungsakten zu früheren Verfahren nicht vorliegen würden. "So kann der Ausschuss nicht arbeiten", sagte der SPD-Abgeordnete Jürgen Berghahn.

Missbrauchsfälle: Wie Täter die Behörden täuschen Westpol 21.06.2020 UT DGS Verfügbar bis 21.06.2021 WDR

Stand: 09.10.2020, 17:00

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