Kampf gegen die Steinzeit im Vorgarten

Pflanzen ragen aus einem Vorgarten mit grauen und schwarzen Kieselsteinen.

Kampf gegen die Steinzeit im Vorgarten

Von Sabine Tenta

  • Umweltminister beschließen Kampagne gegen Schottergärten
  • Heinen-Esser: Steingärten bedrohen Artenvielfalt
  • Viele NRW-Kommunen bereits aktiv

Eine Kampagne gegen Schottergärten in Privathand - das haben am Freitag (10.05.2019) die Umweltminister der Länder auf ihrer Konferenz in Hamburg auf den Weg gebracht. Für NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sind die versiegelten Vorgärten gleich aus mehreren Gründen problematisch.

Darauf weist sie im Gespräch mit dem WDR hin: Bei Starkregen könne Wasser nicht abfließen, volle Keller und Kanäle seien die Folge. Zudem würden durch Schottergärten "die Überlebensmöglichkeiten für Insekten und Vogelarten schlicht und ergreifend ruiniert."

Steinwüste oder blühende Gärten?

Von Sabine Tenta

Schottergärten wirken aufgeräumt und pflegeleicht - können aber auch viel Arbeit machen. Wir zeigen Alternativen.

Pflanzen ragen aus einem Vorgarten mit grauen und schwarzen Kieselsteinen.

Mausgrauer Marmorkies, schwarzer Basaltsplitt, gletschergrauer Zierkies, oder rotbraune Lava - die Vielfalt an Steinen für den Vorgarten ist groß. Aber sie bedroht die Artenvielfalt der Insekten und Vögel. Auch wenn die vertrockneten Alibipflanzen im Bild oben wie Igel aussehen - keiner der stacheligen Säuger würde hier einen Unterschlupf finden.

Mausgrauer Marmorkies, schwarzer Basaltsplitt, gletschergrauer Zierkies, oder rotbraune Lava - die Vielfalt an Steinen für den Vorgarten ist groß. Aber sie bedroht die Artenvielfalt der Insekten und Vögel. Auch wenn die vertrockneten Alibipflanzen im Bild oben wie Igel aussehen - keiner der stacheligen Säuger würde hier einen Unterschlupf finden.

Immer mehr Flächen in Privathand werden versiegelt. Folie drunter, Steine drauf, alle Sorgen weg - denken die meisten. Dabei verzeiht so ein Steingarten gerade wegen seiner Aufgeräumtheit kein Blättchen, das vom Nachbarn rüberweht. Bleibt das Laub liegen und verrottet, können sich in den Steinfugen doch Gräser ansiedeln. Und werden die Steine nicht regelmäßig gereinigt, bildet sich darauf Moos. Darauf weist der NABU hin und schlussfolgert: "Ein naturnaher Garten würde genauso viel oder wenig Arbeit machen."

In Gabionen, den in Gitter gefassten Steinmauern, nistet vor allem eins: Ordnung und Klarheit. Aber keine Vögel. Diese Mauern sind ebenso blickdicht wie tot.

Höchst lebendig ist hingegen eine locker gebaute Steinmauer. Ein Biotop für Eidechsen, Insekten und Mauerblümchen.

Geschotterte Vorgärten sind Steinzeit im doppelten Sinne. Denn zeitgemäße Gartengestaltung in Zeiten der Klimakrise und des Artensterbens sieht anders aus. In Privatgärten kann weit mehr grünen als nur ein Buchsbäumchen.

Naturnah gestaltete Gärten sind nicht nur eine Augen-, sondern auch eine Bienenweide. Blühpflanzen bieten Nahrung für Wildbienen, Honigbienen und Insekten.

Die Insekten sind wiederum eine wichtige Nahrung für Vögel, die sich im Frühjahr abrackern, um ihre Brut großzuziehen. Und Amseln finden Regenwürmer nur in Erde, nicht in Schotterflächen.

Wer partout nicht auf Steine im Garten verzichten will, kann einen Steppengarten anlegen. Dieser auch Präriegarten genannte Typ ist pflegeleichter, weil im Sommer kaum gegossen werden muss. Er ist ideal für sonnige Ecken und sandige Böden.

Wie bunt und vielfältig ein Steingarten sein kann, zeigt die britische Garten-Großmeisterin Beth Chatto. Sie ist bekannt geworden für ihren Steppengarten und zeigt, dass der Einsatz von Kies und Co nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch optisch höchst ansprechend sein kann.

Umweltminister beschließen Appell, kein Verbot

Die Kampagne ist kein Verbot, betont Heinen-Esser: "Es wird der Sensibilisierung dienen." Es sei wichtig, dass die Umweltminister "das Thema in den Fokus rücken". Ein Verbot sei eine Frage der kommunalen Satzungen.

Steinhagen, Herford und Xanten gegen Schotterwüsten

Herford, Paderborn, Halle, Xanten, Steinhagen - all diese NRW-Kommunen haben den Schotterwüsten den Kampf angesagt. So hat zum Beispiel die westfälische Stadt Steinhagen auf Antrag eines Bürgers im Oktober 2018 beschlossen, dass bei künftigen Neubaugebieten klare Vorgaben gemacht werden, die den Anteil von Schottergärten reduzieren.

Die Verbote und Neuregelungen betreffen nur künftige Bauvorhaben und nicht die bereits bestehenden Gebäude.

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Service Garten - Lebendige Vorgärten

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 19.10.2018 05:27 Min. Verfügbar bis 18.10.2019 WDR 5

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Verbot für Schottergärten? - Steinhagen diskutiert über Gestaltungsvorschrift Lokalzeit OWL 11.10.2018 05:34 Min. Verfügbar bis 11.10.2019 WDR

Stand: 10.05.2019, 14:52