In NRW fehlen noch immer zehntausende Kita-Plätze

Das letzte Jahr Kita-Jahr wird beitragsfrei

In NRW fehlen noch immer zehntausende Kita-Plätze

  • Ungewissheit bei Eltern
  • Bedarf gewachsen
  • Wie groß ist das Problem vor Ort?

Anfang August startet das neue Kindergartenjahr in Nordrhein-Westfalen. Wie in den vergangenen Jahren gilt: Für viele Kinder unter drei Jahren gibt es keinen Betreuungsplatz, obwohl es einen Rechtsanspruch für Kinder ab einem Jahr gibt. Das zeigen Recherchen des WDR.

Ungewissheit bei Eltern

Für Familien, die keinen Betreuungsplatz bekommen haben, ergeben sich gleich mehrere Probleme: Das Kind hat weniger Kontakt zu Gleichaltrigen, die Eltern können nicht arbeiten und verdienen auch kein Geld.

"Das ist schon sehr belastend, weil man einfach nicht weiß, wie man planen soll", sagt Öznur Mans, deren Kind bereits zweieinhalb Jahre alt ist. Viele andere Eltern wollen ihren Namen nicht nennen, weil sie Nachteile befürchten.

Bedarf deutlich höher

Die Situation von Öznur Mans ist kein Einzelfall: Nach Angaben des NRW-Familienministeriums gibt es aktuell für 39,8 Prozent aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Laut einer Erhebung Daten des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) lag 2018 der Bedarf aber bei 46 Prozent.

Daraus ergibt sich rechnerisch eine Lücke von 6,2 Prozent. Bei über 500.00 Kindern unter drei Jahren fehlen demnach zehntausende Plätze. Wie viele und wo genau, dazu macht das Ministerium keine Angaben und verweist auf die örtlichen Jugendämter.

5.000 neue Plätze

Trotz 5.000 neuer Plätze, die in NRW geschaffen wurden, ist die Betreuungslücke nicht viel kleiner geworden. Denn einerseits sei der Betreuungsbedarf der Familien gewachsen und andererseits die Zahl der Kinder gestiegen, erklärt Melanie Böwing-Schmalenbrock vom Forschungsverbund des DJI und der TU Dortmund.

Wie groß ist das Problem vor Ort?

Wie groß der Mangel an U3-Plätzen in den einzelnen Städten und Kreisen von NRW ist, lässt sich nur anhand einer stichprobenartigen Erhebung des Forschungsverbundes des DJI und der TU Dortmund von 2013 erahnen. Denn die Bedarfsermittlung in den Jugendämtern verläuft unterschiedlich, nicht standardisiert.

Der 2013 ermittelte Bedarf wird auch im Kindergartenjahr 2020/2021 in einigen Städten nicht gedeckt, zum Beispiel in Aachen, Duisburg, Münster und Wuppertal. Und: NRW-weit sei der Bedarf seit 2013 deutlich angestiegen, wie Daten des Jugend-Instituts belegen.

Hilfe vom Anwalt

Viele Familien erhalten dementsprechend keinen Betreuungsplatz. Öznur Mans, die für ihr Kind zunächst auch keinen Platz von der Stadt Köln zugewiesen bekommen hatte, sah deshalb nur noch eine Lösung.

"Wir haben dann letztendlich, weil es zeitlich so knapp wurde und wir keine Rückmeldung bekommen haben von der Stadt, einen Anwalt eingeschaltet." Mit Erfolg: Innerhalb von zwei Wochen erhielt Öznur Mans für ihr Kind einen Betreuungsplatz.

Stand: 27.07.2020, 09:42