Bundesrat beschließt neue Regeln für Schweinezucht

Schweine im Kastenstand.

Bundesrat beschließt neue Regeln für Schweinezucht

Von Jule Zentek

  • Bundesrat stimmt neuer Verordnung für Schweinehaltung zu
  • Kastenstand wird teilweise abgeschafft
  • Gruppenhaltung von Muttersauen soll die Regel werden

Der Bundesrat hat neue Tierschutz-Vorschriften für Schweineställe beschlossen. Die Länderkammer stimmte am Freitag (03.06.2020) dem Vorschlag aus NRW und Schleswig-Holstein zu. Die neue Regelung sieht vor, dass Zuchtsauen, die gedeckt wurden, künftig nur noch wenige Tage im umstrittenen Kastenstand untergebracht sein dürfen. Ansonsten ist in diesem sogenannten Deckbereich die Gruppenhaltung vorgesehen.

Nicht alle sind zufrieden

"Damit beginnt eine neue Ära der Sauenhaltung", sagt Heinrich Bottermann, Staatssekretär des NRW-Landwirtschaftsministeriums. Die Verordnung sei ein Meilenstein zur Verbesserung des Tierschutzes in der Nutztierhaltung. Kritik kommt von Tierschützern. Sie wollen am liebsten sofort und generell raus aus dem Kastenstand. Darin werden Sauen während der Trächtigkeit und Säugezeit untergebracht, damit sie den Nachwuchs nicht erdrücken.

Auch die Grünen sind noch nicht vollkommen zufrieden. "Es gibt noch einiges zu tun”, sagte Ulrike Höfken, grüne Umweltministerin in Rheinland-Pfalz. Der Kompromiss führe allerdings zu mehr Tierschutz und Investitionssicherheit für die Züchter.

Bauern wollen endlich Rechtssicherheit

Schweinezüchter Michael Uckelmann aus Dülmen.

Schweinezüchter Michael Uckelmann aus Dülmen.

Rechtssicherheit hatten die Bauern gefordert. 7.000 Schweinemastbetriebe gibt es in NRW. Einer davon ist der Hof von Schweinebauer Michael Uckelmann aus Dülmen. Er hält 500 Zuchtsauen, die jährlich 15.000 Ferkel auf die Welt bringen. Vor acht Jahren hat er in seinen Stall investiert: Es gibt Tageslicht und frische Luft – so wie es die neusten gesetzlichen Standards forderten.

"Ich wäre bereit zu investieren, nur brauchen wir Rechtssicherheit", sagt Uckelmann. Er müsse wissen, wie "der Stall der Zukunft" auszusehen habe, um ihn so zu bauen, dass in fünf Jahren nicht nachjustiert werden müsse.

Schweine im Kastenstand.

Muttersau mit ihren Ferkeln im Kastenstand.

Auch aus anderen Gründen wurde es Zeit für die neuen Vorgaben. Denn das Bundesverwaltungsgericht hatte bereits 2016 ein Urteil des OLG Sachsen-Anhalt ein Jahr zuvor bestätigt, wonach die Kastenstände, so wie sie bisher erlaubt sind, zu eng für eine tiergerechte Haltung sind. Ganz abgeschafft wird der Kastenstand durch die neue Verordnung allerdings nicht. Außerdem wird er nur langsam abgeschafft: Die Übergangsfrist für den Umbau im Deckbereich liegt bei acht Jahren.

Was sich konkret ändert:

  • Statt wie bisher 10 Wochen pro Halbjahr, sollen die Sauen nur noch wenige Tage für die Besamung in die sogenannten Deckboxen.
  • Die Boxen sollen größer werden, damit sich die Tiere hinlegen und ausstrecken können.
  • Beim Abferkeln dürfen die Sauen nur noch maximal fünf Tage fixiert werden und die sogenannte Abferkelbucht muss größer werden.
  • Ansonsten sollen Schweine im Deckbereich nur noch Gruppen gehalten werden dürfen.

Preis für faires Fleisch: "Moralische Frage"

WDR 5 Morgenecho - Interview 24.06.2020 04:39 Min. Verfügbar bis 24.06.2021 WDR 5

Download

Wer nicht umbaut, muss Haltung einstellen

Die Betriebe müssen innerhalb der nächsten drei Jahre ein Umbaukonzept vorlegen. Nach fünf Jahren muss der Bauantrag vorliegen. Wer nicht umbauen will, muss das innerhalb drei Jahre melden und die Haltung dann nach spätestens fünf Jahren einstellen. So sieht es der Entwurf vor, der dem WDR vorliegt.

Schweine im Kastenstand.

Der Kastenstand nach aktueller Verordnung.

Für Umbauten im Abferkelbereich gilt außerdem eine Frist von 15 Jahren. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen schätzt das Bundeslandwirtschaftsministerium auf rund 1,1 Milliarden Euro. 300 Millionen Euro an Fördermitteln sollen aus dem beschlossenen Konjunkturpaket der Großen Koalition kommen.

Bauern hoffen auf zügige Entscheidung

Bauer Uckelmann hofft, dass ihm die neue Verordnung langfristig Rechtssicherheit gibt. Denn auch Uckelmann meint, mehr Tier wohl im Schweinestall wäre möglich.

Schweineleid ohne Strafe? Westpol 15.09.2019 UT DGS Verfügbar bis 15.09.2020 WDR Von Mannheim, Felix

Stand: 03.07.2020, 06:00

Weitere Themen