Mehr Videoüberwachung gegen Tierquälerei

Von Nina Magoley

Wieder gab es einen Fall von grausamer Tierquälerei im Kreis Unna. Die Polizei ermittelt. Das NRW-Umweltministerium will sich jetzt für mehr Videoüberwachung rund um Schlachtbetriebe einsetzen.

Die Bilder sind auch für Menschen, die sich nicht für Tiere engagieren, harte Kost: Männer treten und prügeln auf völlig abgemagerte Kühe ein, die schließlich zusammenbrechen. Ein krankes Kalb wird getreten und an den Ohren herumgeschleift, immer wieder ist zu sehen, wie geschwächte Kühe an Seilen über den Boden gezerrt werden.

Es sind Videoaufnahmen, die die Tierschutzorgansiation "Soko Tierschutz" öffentlich gemacht hat. Sie stammen demnach aus dem Zeitraum Mai bis Juli und wurden offenbar auf dem Gelände einer Sammelstelle für Tiere in Werne bei Unna aufgenommen. Hier landen vor allem alte und kranke Kühe und Pferde, die dann zum nahen Schlachthof oder ins Ausland transportiert werden. Die Sammelstelle gehört der Firma Mecke, die in Werne auch eine Metzgerei, einen Schlachthof und eine Firma für Tierfutter betreibt.

Polizei-Razzien in Schlachtbetrieben

Ausgelöst durch die Aufnahmen hatte die Polizei vergangenen Donnerstag in mehreren Schlachtbetrieben in NRW Razzien durchgeführt - unter anderem bei Mecke in Werne. Auch die Viehhandlung Hunecke in Westerkappeln wurde untersucht. Sie soll regelmäßig Tiere zum Schlachthof in Werne geliefert haben. Das ARD-Magazin Fakt hatte am Dienstag zuerst darüber berichtet.

Bereits im Frühjahr hatte es in einem anderen Betrieb im Kreis Unna einen Skandal um Tierquälerei gegeben: Im Schlachthof Prott in Selm wurden Rinder und Schafe illegal geschächtet. Dabei werden die Tiere nach islamischer oder jüdischer religiöser Tradition getötet, indem sie nach einem Halsschnitt ohne Betäubung komplett ausbluten. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hatte die Ermittlungen übernommen.

In einem Bericht hatte die Landesregierung später erklärt, dass der Schlachtbetrieb nach Angaben des Kreises Unna regelmäßigen auch tierschutzrechtlich kontrolliert worden sei. Es habe keine Hinweise auf Schächtungen gegeben. Und auch hier waren es erst die Videobilder der Organisation "Soko Tierschutz", die im März 2021 zu Ermittlungen führten.

"Großversagen von Politik und Justiz"

Dass nur wenige Kilometer entfernt wieder ein Schlachtbetrieb offenbar unbehelligt von den Behörden Tierquälerei im grausamen Ausmaßen betreiben kann, sei "ein Großversagen von Politik und Justiz", sagt Soko-Sprecher Friedrich Mülln. "Offenbar ist die staatliche Kontrolle der Tierhaltung in NRW praktisch nicht existent und wird von kriminellen Strukturen und Tierquälerei geprägt." Jetzt räche sich, so Mülln, "dass Ministerpräsident Laschet die Stabsstelle gegen Umweltkriminalität zerschlagen hat".

Videoüberwachung bislang nur freiwillig

Sylvia Heesen, Referatsleiterin im NRW-Umweltministerium, ist geschockt von den Videobildern: "Man sieht dort Brutalität, Emotionen, sinnlose Aggressionen." Die Landesregierung setze sich seit langem für eine verpflichtende Videoüberwachung auf Schlachthöfen sein. Noch geht das nur auf freiwilliger Basis. Aber: "Wir arbeiten an einer Rechtsgrundlage, die solche Betriebe zur Videoüberwachung verpflichtet." Im Zusammenhang mit Tiersammelstellen, räumt sie ein, sei das Thema allerdings noch gar nicht diskutiert worden.

Am Mittwoch veröffentlichte die Firma Mecke auf ihrer Homepage eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Unternehmensführung und Angestellte seien über die Videoaufnahmen "schockiert", heißt es da. Den beiden erkennbaren Mitarbeitern habe man "heute mit sofortiger Wirkung gekündigt. Die Behörden werden wir bei der vollständigen Aufklärung der Sachverhalte umfassend unterstützen". In den 100 Jahren seit Bestehen des Familienunternehmens habe es "keine Verstöße gegen den Tierschutz" gegeben.