Tierärzte fehlen auf dem Land

Tierarzt Peter Jocke untersucht auf einem Hof eine Kuh

Tierärzte fehlen auf dem Land

Von Nina Magoley

  • Rinder- oder Schweinezuchtbetriebe in NRW werden immer größer
  • Gleichzeitig gibt es immer weniger Landtierärzte
  • Experten warnen vor Versorgungslücken

Tierärzte behandeln nicht nur Hunde, Katzen oder Wellensittiche. Im ländlichen Raum sind Veterinärmediziner vor allem für die Gesundheit sogenannter Nutztiere zuständig - Rinder beispielsweise, Schweine oder Geflügel.

Doch die Fachrichtung Nutztiere scheint kaum noch attraktiv: Nutztierarztpraxen auf dem Land haben zunehmend Probleme, Nachfolger oder Personal zu finden, meldet auch die Bundestierärztekammer.

Jetzt schon Versorgungslücken

Besonders beim Notdienst und in der Tierseuchenbekämpfung gebe es bereits an manchen Stellen Versorgungslücken, sagt Heiko Färber, Geschäftsführer beim Bundesverband Praktizierender Tierärzte. Nicht zuletzt im Hinblick auf die immer wieder drohende afrikanische Schweinepest könnte das ein nicht zu unterschätzendes Problem sein.

Landtierärzte verzweifelt gesucht

WDR 5 Westblick - aktuell 30.10.2019 03:43 Min. Verfügbar bis 29.10.2020 WDR 5 Von Angelika Gördes-Giesen

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Färber ist einer der Experten, die dem Parlament im NRW-Landtag am Mittwoch (30.10.2019) die aktuelle Situation und den Handlungsbedarf erläutern.

Ein großes Problem sind offenbar die Arbeitsbedingungen in den Landtierarztpraxen: "Die Viehzuchtbetriebe werden immer größer, die Zahl der sie betreuenden Tierärzte nimmt ab", sagt Susanne Platt von der Bundestierärztekammer. Der Stress nehme zu, häufige Überstunden seien für viele Nutztierärzte die Regel. "Die Burnout- und Selbstmordrate ist hier, wie in allen Heilberufen, sehr hoch."

Mehr Tiere, weniger Arztpraxen

Massentierhaltung: Ein Schwein schaut zwischen den Gitterstäben eines Schweinetransporters hindurch in die Kamera.

Problem: Massentierhaltung bei Ärztemangel

Präzise Zahlen zu Nutztierpraxen speziell in NRW gibt es nicht. Deutschlandweit jedoch sank die Zahl nach Angaben des Bundesverbands praktizierender Tierärzte von 1.438 im Jahr 2007 auf 1.125 im Jahr 2017. Demgegenüber sind die Zahlen der Tiere, die sie betreuen müssen, allein in NRW enorm: Rund 7.000 Schweinehaltungs-Betriebe mit insgesamt fast sieben Millionen Schweinen zählte die Landesstatistik NRW im vergangenen Jahr, in 629 Rinderbetrieben wurden knapp 1,4 Millionen Rinder gehalten.

Als Folge ist ist der Wert des einzelnen Lebenwesens in der Massentierhaltung mittlerweile so gering, dass eine Behandlung gemessen an dem Gewinn, den das Tier einbrächte, nicht lohnt.

Versicherung oft nicht ausreichend

Ein weiteres Problem sei die Absicherung, sagt Platt. Bricht in einem Viehzuchtbetrieb eine anzeigepflichtige Tierseuche aus, hafte der Tierarzt persönlich, wenn er eine Untersuchung startet ohne einen schriftlichen Auftrag der zuständigen Landesbehörde.

Gleichzeitig seien Veterinäre aber verpflichtet, im Seuchenfall sofort zu helfen. "Tritt dann auf dem Nachbarbetrieb kurz darauf dieselbe Seuche auf, wird oft der behandelnde Tierarzt dafür verantwortlich gemacht - und die Haftpflichtversicherung zahlt nicht."

Massentierhaltung und Landespolitik - ein Trauerspiel?!

WDR RheinBlick 20.09.2019 26:14 Min. Verfügbar bis 20.09.2020 WDR Online

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Stand: 30.10.2019, 11:13