Elektroschock-Pistolen: NRW-Polizei bekommt dauerhaft Taser

Ein Polizeibeamter hält einen Taser im Anschlag.

Elektroschock-Pistolen: NRW-Polizei bekommt dauerhaft Taser

Nach knapp einjährigem Testbetrieb führt das NRW-Innenministerium Elektroschock-Pistolen als Grundausstattung ein. Die umstrittenen Geräte hätten eine deeskalierende Wirkung gezeigt, hieß es.

Die sogenannten Taser sollen künftig in den fünf größten Polizeibehörden Nordrhein-Westfalens zur Grundausstattung gehören. Innenminister Herbert Reul (CDU) kündigte am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags an, dass die Polizeibeamten in Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Köln mit insgesamt 620 Geräten ausgestattet werden.

Seit Anfang des Jahres werden die Elektroschock-Pistolen im Testbetrieb genutzt. Reul betonte die deeskalierende Wirkung der "Distanzelektroimpulsgeräte" (DEIG), wie die Taser offiziell heißen. Die Elektroschock-Pistolen wirkten so furchteinflößend auf viele Aggressoren, dass sie klein beigeben würden.

Im Testbetrieb habe es entsprechend oft gereicht, den Einsatz der Geräte nur anzudrohen, um Aggressoren in Schach zu halten, so Reul. Bis Anfang September spielten die Taser bei 140 Einsätzen eine Rolle. Dabei blieb es 114 Mal bei der Androhung, das Gerät auszulösen. 25 Mal wurde ein DEIG demnach tatsächlich abgefeuert, einmal im "Kontaktmodus" angewendet - also wie ein normaler Elektroschocker.

Reul betonte die Bedeutung der Taser als Schutz vor Gewalt gegen Polizisten: Besonders in den fünf Großstädten würden die Beamten besonders oft angegriffen. Unter anderem, weil es dort örtliche Brennpunkte wie die Düsseldorfer Altstadt gebe. Daher führe man dort die Taser zuerst ein. Kostenpunkt: 4 Millionen Euro.

In den Großstadt-Behörden wird es praktisch so sein, dass in einem Streifenwagen jeder Beamte einen Taser hat. Nach der Schicht wechseln die Geräte ihre Träger. Die Elektroschock-Pistolen der Firma Axon sind knallgelb und sind so mit Absicht schon von weitem an der Uniform zu erkennen.

Umstrittene Schock-Pistolen

Im Gegensatz zu Pfefferspray wirken Taser auch bei Menschen, die betrunken sind oder unter Drogen stehen. Diese Personen haben allerdings auch ein erhöhtes Risiko, dass der Taser ihnen schwere gesundheitliche Schäden zufügt. Die Elektroschock-Pistolen sind deshalb umstritten.

In den USA gab es über Jahre insgesamt mehr als tausend Todesfälle nach Taser-Einsätzen. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass bei mehr als jedem siebten Fall der Elektroschock die Todesursache war oder den späteren Tod mit herbeigeführt hat. Zusätzlich gibt es die Befürchtung, dass Polizisten die Taser mit 50.000 Volt zu häufig einsetzen, weil sie eine Schusswaffe haben, die vermeintlich nicht tödlich ist.

Stand: 28.10.2021, 16:18

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