Tarifrunde bisher ohne Einigung: "Alles ist möglich"

Bus- und Straßenbahnfahrer blockieren das Bus- und Bahndepot der Ruhrbahn.

Tarifrunde bisher ohne Einigung: "Alles ist möglich"

Bund, Kommunen und Gewerkschaften ringen wieder um einen Tarifabschluss. WDR-Wirtschaftsexperte Frank Christian Starke ist vor Ort in Potsdam und erklärt die Lage im Konflikt um mehr Geld.

WDR: In Potsdam wird wieder verhandelt. Ist eine Einigung wahrscheinlich oder droht ein Scheitern der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst?

Frank Christian Starke: Im Moment halte ich alles für möglich. Gestern hatte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), sich noch zuversichtlich und verständnisvoll für die Forderungen der Gewerkschaften geäußert. Die Stimmung war gut. Dann wurde über Nacht in Arbeitsgruppen gerechnet - und dabei sind offenbar neue Probleme aufgetaucht. Jetzt heißt es von Verdi-Chef Frank Bsirske, die Stimmung sei mäßig, es gebe Komplikationen. Seit Montagmittag laufen die Verhandlungen wieder. Die Spitzenrunde der Verhandlungsführer.

Tarifverhandlungen in entscheidender Runde

WDR 5 Morgenecho - Interview | 16.04.2018 | 05:54 Min.

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WDR: Können sich die klammen NRW-Kommunen die Verdi-Forderung überhaupt leisten: sechs Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten - mindestens aber 200 Euro pro Monat?

Frank Christian Starke

Frank Christian Starke

Starke: Viele Städte - auch und besonders in Nordrhein-Westfalen - sind in einer sehr engen und angespannten finanziellen Situation. Gerade in den unteren Lohngruppen im öffentlichen Dienst wären 200 Euro kein Plus von sechs, sondern eher von acht bis zehn Prozent. Das wäre für ärmere Städte einfach zu viel. So das Argument der Kämmerer. Auf der anderen Seite gibt es das Problem, dass Kommunen fürchten, als Arbeitgeber nicht mehr attraktiv genug zu sein für Fachkräfte wie Mediziner oder Ingenieure. Da ist deshalb schon der Wille da, bei diesen gut verdienenden Beschäftigten was oben drauf zu packen. Hier muss jetzt in den Gesprächen eine Balance gefunden werden - bei Höhe und Struktur des Tarifabschlusses.

WDR: Wie sieht ein Szenario aus, wenn die Gespräche heute oder morgen kein Ergebnis bringen? Drohen dann wieder Warnstreiks?

Starke: Falls es keinen Durchbruch gibt, könnte eine vierte Runde anberaumt werden - nachdem sich beide Seiten eine kurze Besinnungsfrist gegönnt haben. Vor einer solchen vierten Runde wären dann auch wieder Warnstreiks möglich und auch wahrscheinlich. Ein richtiger "großer" Streik - ein Erzwingungsstreik - ist aber noch in weiter Ferne. Vorher könnte auch noch eine Schlichtung stehen.

Das Interview führte Martin Teigeler.

Stand: 16.04.2018, 21:30