Gewerkschaften: Pandemie verschärft soziale Gegensätze

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Gewerkschaften: Pandemie verschärft soziale Gegensätze

Von Martin Teigeler

Bildung, Ausbildung, Arbeitsschutz: Der DGB warnt vor einer Verschärfung der sozialen Gegensätze in NRW. Wegen Corona finden am Tag der Arbeit nur kleine Mai-Kundgebungen statt.

Nordrhein-Westfalen sei "ein tief gespaltenes Land". Dies sagte DGB-Landeschefin Anja Weber am Dienstag in Düsseldorf anlässlich des bevorstehenden Tags der Arbeit am 1. Mai. Die soziale Spaltung werde durch die Corona-Pandemie noch verschärft. Weber forderte vom Land unter anderem mehr Ausgaben für Bildung und Kommunen.

DGB fordert Bußgeld für Arbeitgeber

Weber kritisierte, dass es bisher keine Bußgelder für Arbeitgeber gebe, die ihren Beschäftigten keinen kostenlosen Corona-Selbsttest bereitstellen. Zudem nannte sie die Zahl von 30 bis 40 Prozent der Betriebe, in denen es Probleme beim Arbeitsschutz gebe. Auch beim Homeoffice sieht der DGB noch Verbesserungsbedarf.

Die DGB-NRW-Chefin sprach von einem "dramatischen Einbruch" am Ausbildungsmarkt in der Pandemie - gerade im Ruhrgebiet fehlten Lehrstellen. "Wir wissen im Moment nicht, wo die jungen Menschen sind, die keine Ausbildungsstelle bekommen" , so Weber. Das Schulministerium könne dazu auch keine Angaben machen.

Die letzte Klassenfahrt Hauptschule – und dann? Teil 1 von 4 25.03.2021 23:46 Min. UT Verfügbar bis 31.12.2099 WDR Von Justine Rosenkranz

Schon jetzt hat nach DGB-Angaben jeder fünfte Erwachsene in NRW keine Berufausbildung. Weber: "Das bedeutet lebenslange Hilfsarbeitertätigkeit, häufig Langzeitarbeitslosigkeit und Hartz IV." Außerdem forderte sie die schwarz-gelbe Landesregierung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) auf, ein funktionierendes Tariftreuegesetz zu schaffen.

01.05.2018. Armin Laschet (l) bekommt bei der Maikundgebung von der Vorsitzenden des DGB NRW, Anja Weber (2.v.r), ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Freifahrt! #AzubiTicketJetzt!" überreicht

DGB-Landeschefin Weber mit Ministerpräsident Laschet bei einer Mai-Kundgebung vor drei Jahren

Die SPD im Landtag nimmt mehrere Forderungen der Gewerkschaften auf. Ein Antrag mit der Überschrift "Gute Arbeit von morgen" soll noch in dieser Woche im Parlament beraten werden, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. Nötig sei nach Corona ein "sozialer Neustart". Dafür soll das Land viel Geld in die Hand nehmen. Die SPD schlägt ein Investitionsprogramm von 30 Milliarden Euro für Klimaschutz, Digitalisierung und Beschäftigung vor. "Der Fonds soll zur Stärkung von Unternehmen dienen, die ihre Geschäftsmodelle und Produktionsprozesse klimaneutral gestalten wollen", hieß es.

Weniger Kundgebungen am 1. Mai

Wegen der Pandemie fallen am 1. Mai Großkundgebungen des DGB aus. Statt dessen werde es dort, wo es möglich sei, kleinere Veranstaltungen unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geben, so Weber. Die zentrale Veranstaltung findet in einem Autokino auf dem Düsseldorfer Messegelände statt.

1,4 Millionen Menschen in NRW sind Mitglied in den acht DGB-Gewerkschaften (die größten sind die IG Metall und Verdi). Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder auch wegen der Pandemie um 1,8 Prozent zurück.

Stand: 27.04.2021, 13:54

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