Künstliche Intelligenz gegen Suizide in Haft?

Ein Gefängnisinsasse sitzt in einer Justizvollzugsanstalt vor einem vergitterten Fenster im Gegenlicht.

Künstliche Intelligenz gegen Suizide in Haft?

Von Christian Wolf

  • Justizminister will weniger Suizide in NRW-Gefängnissen
  • Computersystem soll auffälliges Verhalten erkennen
  • Technik soll aber nicht überall zum Einsatz kommen

In den nordrhein-westfälischen Gefängnissen kommt es immer wieder zu Suiziden. Zwar wird versucht, Selbsttötungen von Häftlingen zu verhindern, doch ausschließen lässt sich das nicht. Um Suizidpläne früher zu erkennen, setzt das Justizministerium nun auf moderne Technik.

Was ist geplant?

Das Zauberwort lautet Künstliche Intelligenz. Ein Computerprogramm soll erkennen, ob Gefangene einen Suizid planen. Dafür sollen Hafträume mit Videokameras ausgestattet werden.

Die Bilder werden von dem Programm gescannt. Dabei wird nach Gegenständen wie Messern oder nach auffälligem Verhalten geschaut. Wird eine kritische Situation erkannt, schlägt das System Alarm und die JVA-Angestellten können einschreiten.

Wann soll es damit los gehen?

Peter Biesenbach (CDU), Justizminister von Nordrhein-Westfalen, spricht bei einer Pressekonferenz über die Zwischenbilanz zur Arbeit der Sonderstaatsanwälte gegen Clan-Kriminalität in Duisburg, 07.02.2019,

NRW-Justizminister Peter Biesenbach

Das ist unklar. Bislang gibt es ein solches Programm noch nicht. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sprach am Dienstag (22.10.2019) bei der Vorstellung von einem "Forschungsprojekt". Eine Firma aus Chemnitz wurde beauftragt, die Technik zu entwickeln. Innerhalb eines Jahres soll das System zur Verfügung stehen und getestet werden. 160.000 Euro soll das kosten.

Wird es dann künftig keine Suizide in Gefängnissen mehr geben?

Damit ist nicht zu rechnen. In diesem Jahr gab es bereits neun Suizide, 2018 waren es elf. Sie alle ereigneten sich laut Biesenbach in normalen Hafträumen.

Die "ereignisgesteuerte Videoüberwachung" soll aber nur in besonderen Zellen zum Einsatz kommen. Dazu zählen Hafträume mit einer 24-Stunden-Überwachung oder wo alle 15 Minuten ein Beamter nach dem Häftling schaut. In den letzten Jahren gab es dort aber keine Suizide.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Frau am Schreibtisch mit Computermonitor

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

Stand: 22.10.2019, 15:34