Viele NRW-Unis sammeln Hilfsgelder für Studierende

Symbolbild: Universitäts-Hörsaal mit Prüflingen

Viele NRW-Unis sammeln Hilfsgelder für Studierende

Von Anja Lordieck und Raphael Markert

Studierende leiden auch finanziell unter der Coronakrise. Aber: Direkte Hilfen gibt es nicht. Eine Westpol-Recherche zeigt: Knapp 60 Prozent der Unis in NRW sind jetzt selbst eingesprungen.

Bis März arbeitete Chantal Czaja in einer Psychotherapiepraxis. Dann blieben wegen Corona die Patienten weg - und sie verlor ihren Job. Seit Monaten ist die 20-jährige Psychologiestudentin auf Geld von Freunden und Familie angewiesen - eine belastende Situation. "Ich fühle mich schlecht, weil ich immer von anderen abhängig bin." Inzwischen hat sie zwar drei kleinere Jobs. Trotzdem hat sie damit nicht mehr als 400 Euro im Monat zur Verfügung.

Studierende Chantal Czaja hat ihren Job während der Corona-Pandemie verloren

Chantal Czaja verlor ihren Nebenjob wegen Corona

So geht es seit Ausbruch der Corona-Pandemie vielen Studierenden. Laut einer Studie des Personaldienstleisters Zenjob haben 40 Prozent ihren Job verloren. Das Bundesbildungsministerium hat zwar eine Überbrückungshilfe bereitgestellt. Diese lief aber nur in den Monaten von Juni bis September und wurde dann ausgesetzt. Doch was tut das Land NRW?

Landesregierung: Bafög-Verlängerung statt Hilfsgelder

Das NRW-Wissenschaftministerium verweist darauf, dass man die Bafög-Konditionen verbessert habe. Zudem seien Hilfen an Studierendenwerke gezahlt und zinslose Darlehen bereitgestellt worden.

Direkte Hilfsgelder gibt es aber in NRW nicht. Man sei sich aber "der schwierigen Situation der Studierenden bewusst", teilt das Ministerium mit. Bund und Länder würden über weitere Hilfen je nach Pandiemielage beraten.

Viele Universitäten haben eigene Nothilfefonds gestartet

Doch eine Recherche des WDR-Magazins Westpol zeigt: Fast 60 Prozent der Universitäten und Hochschulen in Nordrhein-Westfalen haben die Hilfe für Studierende selbst in die Hand genommen. 21 von 36 Unis haben einen eigenen Nothilfefonds für ihre Studierenden angelegt. Viele sind damit den Hilfen des Staates zuvorgekommen, andere haben diese ergänzt, manche Hilfen laufen weiter.

Auch die Fachhochschule Aachen kümmert sich seit März selbst darum, ihre Studierenden zu unterstützen. "Wir haben festgestellt, es gibt einen Haufen Studierende, die Probleme haben, ihre Mieten und sogar ihr Essen zu bezahlen", erklärt Rektor Marcus Baumann. Deshalb sammelt die Hochschule Spenden, die nach Richtlinien des Sozialausschusses an die Studierenden verteilt werden.

SPD fordert Rettungsschirm für Studierende

Damit übernehmen die Universitäten und Hochschulen eine staatliche Aufgabe, meint Dietmar Bell, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: "Ich erwarte, dass diese Landesregierung Mittel aus dem Rettungsschirm für Studierende bereitstellt, die ihre Notlage nachweisen können." Alles andere halte er für "fahrlässig."

Die Landesregierung hat zwar die Bedingungen fürs Bafög erleichtert, aber das hilft Chantal Czaja nicht. Sie wünscht sich von der Politik finanzielle Hilfe, Empathie und Verständnis. "Es kann ja nicht sein, dass man drei bis vier Jobs haben muss, um über die Runden zu kommen und sich dann kaum auf die Uni konzentrieren kann."

Stand: 25.10.2020, 06:00

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