Neue Studie: Zugehörigkeitsgefühl von Türkeistämmigen

Neue Studie: Zugehörigkeitsgefühl von Türkeistämmigen

Von Nina Giaramita

  • Neue Studie zum Zugehörigkeitsfühl Türkeistämmiger
  • Viele fühlen sich mit Türkei und Deutschland verbunden
  • Einbürgerungskampagne soll Identifikation stärken

Zu Beginn wartete der Leiter der Studie mit einer positiven Botschaft auf. "Der größte Teil der Befragten fühlt sich beiden Ländern verbunden", so der zentrale Befund von Professor Haci-Halil Uslucan. Die repräsentative Umfrage wird vom Essener Zentrum für Türkeistudien bei türkeistämmigen Bürgern in NRW alle zwei Jahre durchgeführt. Der diesjährige Schwerpunkt lag dabei auf der Identifikation und politischen Teilhabe.

Uslucan machte abseits dieses Ergebnisses jedoch deutlich, dass es bereits seit 2012 einen Trend zu einer steigenden heimatlichen Verbundenheit zur Türkei gibt - vor allem bei der zweiten und dritten Generation Türkeistämmiger. Zudem bestätigt die Studie erneut, dass die türkische Regierungspartei AKP bei der türkischstämmigen Bevölkerung in NRW eine hohe Unterstützung erfährt.

Viele Migrantenkinder schieben Frust

WDR 5 Westblick - aktuell 23.07.2018 10:59 Min. WDR 5

Download

Sarrazins Buch als Grund

Der ehemalige Berliner Finanzsenator und Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin veröffentlichte 2010 ein umstrittenes Buch

Integrationsminister Stamp (FDP) bemerkte bei der Präsentation der Studie, dass die abnehmende Identifikation mit Deutschland seiner Ansicht nach stark mit mehreren markanten Ereignissen in der Vergangenheit verbunden sei - nämlich mit dem sehr umstrittenen Wahlkampfauftritt von Erdogan in Deutschland im Jahr 2008 sowie mit dem Erscheinen des Buchs von Thilo Sarrazin. In dem Buch von 2010 habe der Autor von "kleinen Kopftuchmädchen" gesprochen und es habe insgesamt ein "herabwürdigender Ton" gegenüber Türkeistämmigen geherrscht.

Erleichterte Einbürgerung

Staatsekretärin Serap Güler (CDU) kündigte an, dass das Ministerium im Nachgang zu der Studie "ernsthaft eine Wertedebatte anstoßen" wolle. Dabei soll es in ganz NRW Veranstaltungen geben, bei der Bürger mit und ohne Migrationshintergrund miteinander diskutieren. Außerdem soll Einwanderern aus der ersten Generation die Einbürgerung erleichtert werden. "Als Zeichen der Wertschätzung wollen wir bei dieser Generation auf Sprachtests verzichten", so Stamp.

Von höheren Einbürgerungszahlen erhofft sich das Ministerium offensichtlich eine höhere Identifikation mit Deutschland. Staatsskretärin Güler spricht aus eigener Erfahrung. Sie hat seit 2010 einen deutschen Pass. "Ich kann
sagen, dass die Verbundenheit zu Deutschland seitdem zugenommen hat
", so Güler.

Warnung vor türkischer Propaganda

Güler warnte gleichzeitig davor, dass "die türkische Seite nicht schläft". Sie sei kürzlich auf einer Veranstaltung des Ministeriums für Auslandstürken zugegen gewesen. Dort habe man die "türkische Propaganda" erleben dürfen. Eindrücklich sei vor allem das Unterstützungsangebot des türkischen Staates für im Ausland lebende Landsleute gewesen - von der Begleitung in Erziehungsfragen bis hin zu Stipendien für türkeistämmige Studierende.

Stand: 23.07.2018, 15:33