Integrationsklima in NRW besser als man denkt

Viele Menschen in einer Fußgängerzone

Integrationsklima in NRW besser als man denkt

Von Nina Magoley

  • Integrationsminister Stamp legt "Integrationsbarometer" vor
  • Zusammenleben in NRW demnach überwiegend positiv
  • Türken fühlen sich häufig diskriminiert

Glaubt man den Zahlen, die das Ministerium mit dem "Integrationsbarometer" am Mittwoch (13.03.2019) vorlegte, ist es um das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in NRW gut bestellt: 85 Prozent der einst Zugewanderten sagen demnach, dass sie sich NRW zugehörig fühlen. Fast 70 Prozent der Deutschstämmigen bewerten das Integrationsklima als positiv.

NRW liege damit über dem Bundesdurchschnitt, sagen die Verfasser der Studie, der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR).

Viele Kontakte zwischen Deutschstämmigen und Migranten

Die Hälfte aller deutschstämmigen Befragten zählen demnach Migranten zu ihrem Freundeskreis - mehr, als in anderen Bundesländern. Unter den Migranten sind es umgekehrt 75 Prozent.

Doch bei aller Harmonie: "Es gibt objektiv auch Diskriminierung", sagt der SVR-Vorsitzende Thomas Bauer, "bei Bewerbungen, bei der Wohnungssuche". Am häufigsten diskriminiert fühlen sich demnach Menschen mit türkischen Wurzeln. Hier gaben auch nur 55 Prozent der Befragten an, oft Kontakt zu Deutschstämmigen zu haben.

Türken häufiger diskriminiert

Frauen mit Kopftuch sitzen auf einer Parkbank

Muslime schnell als Migranten erkannt

Die soziale Distanz der Einwanderer aus der Türkei zur Mehrheitsgesellschaft sei größer als bei anderen Migrantengruppen, sagt Yunus Ulusoy vom Zentrum für Türkeistudien in Essen. Das liege unter anderem daran, dass sie meist durch Aussehen oder Kleidung gleich als Einwanderer auffallen und weitaus häufiger mit Reaktionen darauf rechnen müssen, "als zum Beispiel ein blonder Pole oder Russe, der vielleicht erstmal gar nicht als Migrant erkannt wird".

Ulusoy verweist auf eine Studie der Uni Münster, wonach mehr als die Hälfte der befragten Türkischstämmigen angaben, sich nicht als Teil der deutschen Gesellschaft anerkannt zu fühlen "egal, wie sehr ich mich anstrenge".

Migranten fühlen sich diskriminiert

WDR 5 Westblick - aktuell 13.03.2019 03:15 Min. WDR 5

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Alles in Ordnung - trotz Clans und No-Go-Aereas?

Der Wissenschaftler hält das Ergebnis des "Integrationsbarometers" für durchaus repräsentativ. Obwohl die größtenteils positiven Rückmeldungen manchen überraschen dürften - vor allem vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen über Parallelgesellschaften oder kriminelle Familienclans.

Das, gibt Ulusoy zu bedenken, seien einzelne Ereignisse, die durch die fokussierte Berichterstattung in den Medien ein bedrohliches gesellschaftliches Bild ergäben. "Der in NRW gelebte Alltag aber ist weitaus weniger spannungsreich, als es in solchen Nachrichten dargestellt wird". Bedenkt man, dass fast ein Drittel der Einwohner von NRW einen Migrationshintergrund haben, rate er "bei diesen Themen immer zur Gelassenheit".

Stand: 13.03.2019, 16:13