Inklusion in NRW: Da geht noch mehr

Inklusion in NRW: Da geht noch mehr

Von Sabine Tenta

  • Studie des Instituts für Menschenrechte vorgestellt
  • Teilbereiche Wohnen, Mobilität, Bildung, Arbeit werden untersucht
  • Fazit: Es braucht weitere Maßnahmen in NRW

Wie hat sich die Situation für Menschen mit Behinderung in NRW in den letzten zehn Jahren entwickelt? Am Dienstag (29.01.2019) hat das Institut für Menschenrechte in Düsseldorf eine Studie dazu vorgestellt. Sie beleuchtet die Bereiche Wohnen, Mobilität, Bildung und Arbeit.

Maßstab für die Bewertung ist die UN-Behindertenrechts-Konvention. Sie trat 2008 in Kraft und verpflichtet Deutschland zur Inklusion und zum Abbau von Barrieren und Diskriminierungen.

Wohnen

Im Bereich des "unterstützten Wohnens" habe NRW eine hohe Quote zu verzeichnen, lobte das Institut. Im Vergleich mit allen Flächenländern liege NRW auf Platz eins, im Vergleich aller Bundesländer auf Platz drei. Dennoch müssten diese Angebote weiter ausgebaut werden.

Leider gebe es "kaum bezahlbare barrierefreie Wohnungen". Das würde das Recht auf eine freie Wahl des Wohnortes "massiv einschränken", so Institutsleiter Valentin Aichele.

Mobilität

Hier sieht das Institut großen Handlungsbedarf. Vielfach würde die Fortbewegung zum "Hindernislauf", so Aichele. Auch wenn es in den letzten zehn Jahren große Anstrengungen gegeben habe, das Ziel "völliger Barrierefreiheit" sei noch nicht erreicht.

Bildung

Das Ziel sei hier eine Inklusion ohne Sondereinrichtungen. NRW habe bislang kaum Fortschritte gemacht. 2009 seien 5,2 Prozent aller Schüler mit Behinderungen auf eine Regelschule gegangen, im Schuljahr 2016/2017 (die aktuellsten Daten) seien es 4,6 Prozent gewesen.

"Das ist enttäuschend, trotz der Bemühungen in dem Feld", so Institutsleiter Aichele. Mit Sorge sehe er, dass in NRW immer noch an Sonder- und Förderschulen festgehalten werde, was unvereinbar mit der UN-Behindertenrechts-Konvention sei.

Arbeit

Die Quote der beschäftigten schwerbehinderten Menschen liege zwar mit 5,19 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 4,69 Prozent.

Mit Sorge betrachtet Aichele aber das Vorhaben der Landesregierung, Arbeitsplätze in Werkstätten für Menschen mit Behinderung auszubauen. Stattdessen wünscht sich das Institut Unterstützungen, damit Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln können.

Fazit

Das Ergebnis der Gesamtstudie fasste Valentin Aichele mit dem Satz zusammen: "NRW hat viel erreicht, aber auch noch eine beträchtliche Strecke vor sich."

Neue Inklusionspläne: ungenügend? 03:04 Min. Verfügbar bis 14.12.2019

Stand: 29.01.2019, 14:20