Streit um Stärkung der Kripo in NRW

Die Polizei ermittelt

Streit um Stärkung der Kripo in NRW

Von Benjamin Sartory

CDU und FPD wollen, dass zehn Prozent der jährlichen Polizeianwärter direkt nach dem Studium zur Kriminalpolizei wechseln können. Die Gewerkschaft ist dagegen: Jeder soll erstmal Streife fahren!

Christos Katzidis ist innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Davor war er 26 Jahre lang als Polizist im Einsatz. Jetzt will er seine ehemaligen Kollegen bei der Kriminalpolizei (Kripo) stärken. Denn obwohl die Einstellungszahlen seit Jahren stiegen, gebe es dort noch zu wenige junge Leute und eine zu hohe Belastung für die Beamten, sagt er. Gemeinsam mit dem Koalitionspartner FDP hat die CDU einen Antrag vorgelegt, über den der Landtag gegen Mittag entscheidet.

Die Idee: Zehn Prozent der neuen Polizisten sollen direkt nach dem Studium und ohne Umwege, zur Kripo wechseln können. Heißt: Für diesen Teil der Anwärter entfällt der bisher übliche Streifendienst.

Die Gewerkschaften streiten

Die Gewerkschaft der Polizei, GdP, nennt die Pläne einen "unausgegorenen Schnellschuss". Das Jahr im Wach- und Wechseldienst sei eine wichtige Berufserfahrung, betont GdP-Landesvize Michael Maatz: "Dass die jungen Kolleginnen und Kollegen den Polizeigeruch auf der Straße kennenlernen, das hilft dann auch im Bereich der Kripo."

Oliver Huth

Oliver Huth, BDK

Ein anderer gewerkschaftlicher Berufsverband von Polizisten sieht das erwartungsgemäß ganz anders. Der Bund deutscher Kriminalbeamter, BDK, unterstützt die Vorschläge von CDU und FPD.

Man könne auch ohne Erfahrungen bei der Schutzpolizei problemlos zur Kripo, meint Oliver Huth vom BDK. Der Kriminalbeamte sei eben nicht die "typische, nächste Entwicklungsstufe eines Streifenbeamten".

Arbeitsbelastung soll untersucht werden

CDU und FDP machen in ihrem Antrag noch mehr Vorschläge. Sie wollen zum Beispiel, dass untersucht wird, in welchen Bereichen der Kripo die Arbeitsbelastung besonders hoch ist - dann könne man Ressourcen verschieben.

Auch bei diesem Punkt sind sich die beiden Gewerkschaften nicht einig. Der BDK findet den Vorschlag okay, Michael Maatz von der GdP dagegen überflüssig. "Die fehlenden Polizisten kann ich nicht durch Belastungsstudien ersetzen", sagt er. Im Moment schiebt ein Kripo-Beamter in NRW im Schnitt etwa 150 Überstunden vor sich her.

Die GdP fordert stattdessen, dass mehr Werbung für die Kripo gemacht wird. Da immerhin besteht Einigkeit, denn auch CDU und FDP fordern in ihrem Antrag eine umfassende Werbekampagne.

Stand: 07.10.2021, 06:00