Streit um Muezzin-Ruf

Einladung: Muezzin ruft täglich in Gladbeck zum Gebet

Streit um Muezzin-Ruf

  • In Krefeld durfte der Muezzin während der Corona-Krise rufen
  • Nun fordert die örtliche FDP eine dauerhafte Erlaubnis
  • Bisher entscheidet jede Kommune selbst über den Muezzin-Ruf

Wenn Aise-Hale Yildiz über die vergangenen drei Wochen in der Krefelder Yunus-Emre-Moschee spricht, beginnt sie zu schwärmen. "Es war ein unglaubliches Gefühl, das man nicht beschreiben kann", sagt die gläubige Muslimin dann. Es war aber auch eine einmalige Erlaubnis in einer besonderen Zeit. Weil für die Muslime der Fastenmonat Ramadan in die Corona-Krise fiel und sich die Gläubigen wegen der Auflagen nicht mehr in der Moschee treffen durften, ließ die Stadt Krefeld den sogenannten Muezzin-Ruf ausnahmsweise einmal täglich zu. 

Der Ramadan endet nun, die Erlaubnis auch. Die örtliche FDP will prüfen lassen, ob der Gebetsruf auch dauerhaft erklingen dürfe. "Im Grundgesetz ist die freie Religionsausübung verankert", sagt der Krefelder Fraktionsvorsitzender Joachim Heitmann. "Das gilt auch für den muslimischen Gebetsruf." Die CDU vor Ort lehnt diesen Vorstoß ab, genauso die CDU-Fraktion auf Landesebene.

Auch Islamverbände wollen dauerhafte Erlaubnis

Wie in Krefeld galt während des Ramadan etwa für 100 der circa 2750 Moscheen in Deutschland eine einmalige Erlaubnis, schätzt der Moscheenverband Ditib auf Nachfrage des WDR-Magazins "Westpol". Genauso wie der Zentralrat der Muslime wünscht auch die Ditib sich, dass der Ruf dauerhaft für alle Gemeinden erlaubt würde, auch nach der Coronakrise. 

Erlaubnis ist eine Einzelfallentscheidung

Ob der Muezzin rufen darf, ist bisher nicht einheitlich geregelt, auch eine gerichtliche Grundsatzentscheidung gibt es nicht. Vor Gericht gestritten wird um den Muezzin-Ruf aber bereits: aus Oer-Erkenschwick liegt eine Beschwerde von Anwohnern einer Moschee nun beim Oberverwaltungsgericht Münster.

Ob der Ruf erlaubt wird, sei eine "komplexe Abwägungsfrage", die im Einzelfall getroffen werden müsse, sagt der Staatskirchenrechtler Ansgar Hense. Nur einzelne Orte wie Gladbeck, Essen oder Bergkamen haben den Muezzin unter teils strengen Auflagen bereits dauerhaft erlaubt.

"Der Muezzin-Ruf passt einfach nicht zu Deutschland"

In Niederkassel bei Bonn hat Ahmet Özel in den vergangenen Wochen dafür gekämpft, dass auch in der örtlichen Ditib-Moschee der Muezzin-Ruf während des Ramadans erlaubt wird. Doch die Stadt verwehrte eine Genehmigung. "Das hat uns wirklich sehr enttäuscht", sagt der Vorsitzende der muslimischen Gemeinde. Er wolle beim Bürgermeister nun ebenfalls für eine langfristige Erlaubnis werben. 

Der Niederkasseler Bürgermeisters Stephan Vehreschild verweist dagegen auf einen 27 Jahre alten Grundbucheintrag, der beim Bau der Moschee zwischen Stadt und Gemeinde getroffen wurde. Von einem "Verbot der Ausrufung" ist darin zu lesen.

Für Vehreschild ist damit klar, dass er auch in Zeiten von Corona keine Ausnahme für den Muezzin-Ruf machen könne. "Und der Muezzin-Ruf passt einfach nicht zu Deutschland", meint der CDU-Bürgermeister. In Krefeld hat Bürgermeister Frank Meyer (SPD) bereits zugesagt, sich mit den muslimischen Gläubigen über einen Ruf pro Woche austauschen zu wollen.

Stand: 24.05.2020, 06:00

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