NRW will Ehrenamtler steuerlich entlasten

Ehrenamtlicher Helfer der Caritas verteilt vor dem Bahnhof in Bremen Suppe an Bedürftige

NRW will Ehrenamtler steuerlich entlasten

Von Oliver Scheel

  • Finanzielle Erleichterungen für die Bereiche Pflege, Gesundheit und Familie
  • Jeder Dritte engagiert sich ehrenamtlich
  • Caritas reagiert verwundert über Initiative

Ministerpräsident Armin Laschet will das Ehrenamt in NRW stärken. Rund sechs der 18 Millionen Bürger des Landes engagieren sich ehrenamtlich, jeder Dritte also. Ein Teil dieser Gruppe soll laut Laschet Steuererleichterungen erhalten.

Erleichterungen für die Bereiche Pflege, Gesundheit und Familie

"Wir wollen die Pauschbeträge für jene, die im Ehrenamt bei Pflege, Gesundheit und in der Familie tätig sind, erheblich erhöhen", sagte der Ministerpräsident der "Rheinischen Post" am Freitag (22.06.2018).

Es gehe dabei um steuerliche Entlastungen von mehr als 800 Millionen Euro pro Jahr, die mehrheitlich vom Bund getragen werden.

Das Land NRW will die Initiative nach Laschets Worten am 6. Juli im Bundesrat einbringen. Der Ministerpräsident hofft, dass sich weitere Bundesländer anschließen.

Konkrete Anhebung der Pauschbeträge

"Ich habe maßvolle Entlastungsschritte vorgeschlagen, mit denen wir schnell spürbare Vereinfachungen für die Menschen in unserem Land erreichen können", sagte NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) am Freitag dem WDR.

Konkret geht es laut Finanzministerium um die Anhebung des Pflegepauschbetrages von 924 Euro auf 1.200 Euro und eine Erhöhung der steuerfreien Übungsleiterpauschale von 2.400 auf 3.000 Euro.

Die Kinderbetreuungskosten sollen künftig bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro (bisher 4.000 Euro) berücksichtigt werden.

Caritas reagiert "verwundert"

Die Wohlfahrtsverbände sind hingegen skeptisch. "Das registrieren wir mit Verwunderung", sagte Markus Lahrmann, Chefredakteur von Caritas in NRW, dem WDR. Im Ehrenamt solle man nicht für Geld arbeiten.

"Das Ehrenamt zu monetarisieren halten wir für den falschen Weg. Und Ehrenamtler dürfen ja ohnehin nicht in der Pflege an sich arbeiten. Es geht da ja um Gesprächsangebote und Ähnliches, die die Ehrenamtler durchführen", sagte Lahrmann.

Sorge vor Konkurrenz im Ehrenamt

Der Paritätische Wohlfahrtsverband in NRW sieht das ähnlich: Ehrenamt müsse Ehrenamt bleiben, sagte Wilfried Theißen im Gespräch mit dem WDR. "Wenn es im Ehrenamt Geld zu verdienen gibt, treten Wohlfahrtsverbände miteinander in Konkurrenz. Das würde die Ehrenamtsszene auf Dauer zerstören."

Stand: 22.06.2018, 12:27