Wie geht's weiter mit den Steinkohlekraftwerken?

Screenshot aus dem Film "Energiegewinnung durch Steinkohle"

Wie geht's weiter mit den Steinkohlekraftwerken?

Von Stefan Lauscher

  • Fragen und Antworten zur Stilllegung von Steinkohlekraftwerken
  • Für Steinkohleausstieg soll's keinen Fahrplan geben
  • Ministerpräsident Laschet informiert Landtag über Kohleausstieg

Für die Landesregierung ist klar: "Nordrhein-Westfalen ist Vorreiterland der Energiewende." Am Donnerstag (23.01.2020) wird Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) unter diesem Tagesordnungspunkt den Landtag über den Kohleausstieg informieren. Außerdem wird es darum gehen, wo der Strom in Zukunft herkommen soll.

Denn während der Fahrplan für die Stilllegung der Braunkohlekraftwerke in NRW steht, ist weiterhin offen, wie es mit den Steinkohlekraftwerken weitergeht. Aktuell sind in NRW noch elf kommerzielle Steinkohlekraftwerke am Netz (ohne Betriebskraftwerke, die nur der Energieversorgung einer einzelnen Industrieanlage dienen):

  • vier von Uniper (vormals E.on)
  • vier der STEAG
  • zwei von RWE
  • eins von Trianel

Gesamtleistung dieser Kraftwerke: etwas mehr als 6.000 Megawatt (MW). Geht das umstrittene Uniper-Kraftwerk in Datteln im Sommer ans Netz, kämen nochmal rund 1.000 MW dazu.

Wie und wann werden die Steinkohlekraftwerke stillgelegt?

Anders als bei der Braunkohle soll es für die Steinkohlekraftwerke keinen festgelegten Stilllegungsfahrplan geben. Sondern: die Kraftwerkskapazität (und damit auch der CO2-Ausstoß) soll durch eine Auktionierung reduziert werden, also durch ein marktwirtschaftliches Verfahren.

Wie läuft so ein Auktionierungsverfahren ab?

Nach den derzeitigen Plänen wird die Bundesnetzagentur für die Jahre 2022 bis 2026 jährlich eine Gebotsrunde ausschreiben. Darin legt sie, abhängig von der Entwicklung des Strombedarfs, fest, wieviel Megawatt Kraftwerksleistung in dem jeweiligen Jahr abgeschaltet werden sollen. Wer abschaltet, bekommt vom Bund eine Stilllegungsprämie.

Luftaufnahme des Kraftwerkes Datteln 4

Umstrittenes Kraftwerk Datteln

Und das soll folgendermaßen ablaufen: Die Kraftwerksbetreiber melden, zu welcher Entschädigungssumme sie bereit sind, Kraftwerke vom Netz zu nehmen. Wer das beste (günstigste) Gebot abgibt, bekommt den Zuschlag. Dabei wird außer dem Preis auch die zu erwartende Emissionseinsparung eine Rolle spielen; außerdem, ob es sich um Anlagen handelt, die außer Strom auch Fernwärme liefern, und ob besondere wirtschaftliche oder soziale Nachteile für die Region zu erwarten sind.

Kann das Auktionierungsverfahren zur Stilllegung funktionieren?

Ja. Denn viele Steinkohlekraftwerke sind schon heute nur noch gering ausgelastet (teilweise unter 20 Prozent). Die Kraftwerksbetreiber könnten also ein Interesse haben, für Anlagen, die ohnehin wirtschaftlich nicht gut laufen, wenigstens noch eine Stilllegungsprämie bzw. Entschädigung zu kassieren. Und: Das Auktionierungsverfahren endet 2026. Danach gibt es auch keine Prämien mehr. Wer also zu lange gewartet oder immer einen zu hohen Preis für die Abschaltung gefordert hat, der geht leer aus.

Kohlekraftwerke in NRW

Stand: 23.01.2020, 05:30