Energieversorger Steag in heikler Finanzlage

Energieversorger Steag in heikler Finanzlage

  • Geschäfte beim Energiekonzern Steag laufen schlecht
  • Interne Zwischenbilanz weist Verluste aus
  • Auslandsgeschäfte sorgen für Kritik

Der Energieversorger Steag leidet unter den Folgen der Energiewende. Recherchen des WDR-Magazins Westpol zeigen, dass sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert. Laut internen Dokumenten hat die Steag in den ersten neun Monaten 2018 Verluste in Höhe von 30 Millionen Euro angehäuft. Ein Grund: die Energiewende.

Hinzu kommen hohe Dividenden, die an Stadtwerke überwiesen werden müssen. Denn seit 2010 gehört die Steag den Versorgern aus Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Oberhausen und Dinslaken. Das Problem: Seit Jahren liegen die Ausschüttungen über den Gewinnen. Die Stadtwerke brauchen mindestens 45 Millionen Euro, um Kredite zu tilgen und Zinsen zu bezahlen.

Und das geht an die Substanz: Das Eigenkapital der Steag ist von 1,2 Milliarden auf rund 400 Millionen geschrumpft. Offiziell will die Steag die Zwischenbilanz nicht kommentieren. Aber in Unternehmenskreisen ist von einem starken Endspurt 2018 die Rede.

Kritik an Auslandsgeschäften

Die Firma Steag

Die Konzernzentrale der Steag in Essen

Doch es gibt eine weitere Baustelle: das Auslandsgeschäft. Schon bei der Übernahme wurde kritisiert, dass die Stadtwerke nichts mit einem Konzern mit Kraftwerken in Kolumbien oder auf den Philippinen zu tun haben dürften. Vor allem die FDP war dagegen. Der Tenor: Dies habe nichts mit öffentlicher Daseinsvorsorge zu tun.

Zwar schrieben die Stadträte damals vor, dass das Auslandsgeschäft schrumpfen soll. Die Praxis sieht anders aus. Das Ausland gilt als Wachstumsmarkt. Während hierzulande Arbeitsplätze abgebaut werden, gibt es im Ausland einen Zuwachs.

Eine Tochter der Stadtwerke, die ihre Gewinne im Ausland macht: Ist das überhaupt Aufgabe kommunaler Unternehmen? Kommunalexperte Hermann Rappen vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung hat Bedenken: "Es ist zu viel des Guten. Weil es nicht nachvollziehbar ist."

Fundamentalkritik von der AfD: "Ich würde empfehlen, aus dem Auslandsgeschäft auszusteigen, sich da einen Partner aus der Energiewirtschaft zu suchen, der den Teil aufkauft, und dann nur noch auf das deutsche Geschäft sich konzentrieren", sagt Energie-Sprecher Christian Loose.

FDP legt Skepsis ab

Die FDP hat ihren Widerstand teilweise aufgegeben. Kürzlich war Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart bei der Präsentation eines Solar-Projekts in Indien.

Andreas Pinkwart  beantwortet bei einer Pressekonferenz aktuelle Fragen zur Energie- und Strukturpolitik

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart

Angesprochen auf die Auslandsaktivitäten, sagt der FDP-Mann: "Ich wünschte mir ordnungspolitisch selbst, dass sowas auch stärker in privater Trägerschaft geschehe. Aber die Arbeit, die das Unternehmen macht, ist absolut vorzeigbar und international geschätzt."

Kohle-Ausstieg: "Was heißt Energiewende 2.0?"

WDR 5 Morgenecho - Interview 29.01.2019 05:51 Min. WDR 5

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Stand: 17.02.2019, 14:00