Laschet: "Bleiben Sie zuhause!"

Eine leere A40 in Essen

Laschet: "Bleiben Sie zuhause!"

Von Nina Magoley

  • Eindringlicher Appell von NRW-Ministerpräsident Laschet
  • Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus ernst nehmen
  • Andernfalls drohe auch hierzulande Ausgangssperre

"Die Entwicklung ist nicht nur dynamisch, sondern dramatisch" - mit ernsten Worten eröffnete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag (17.03.2020) ein Statement der Landesregierung zur aktuellen Lage in der Coronakrise. "Wir sehen, dass viele die Botschaft noch nicht verstanden haben."

3.060 Infizierte gebe es mittlerweile in NRW, rund 310 mehr als am Tag zuvor. 12 Menschen sind bisher an der Erkrankung gestorben.

Gemeinsam mit Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) und Familienminister Joachim Stamp (FDP) appellierte Laschet ein weiteres Mal an alle Menschen in NRW: "Bleiben Sie zuhause, helfen Sie, das Virus einzudämmen." Alle drei standen dabei in gebührendem Abstand voneinander.

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Urlaub in Deutschland abbrechen

Bereits am Sonntag hatte die Landesregierung einen Erlass herausgegeben, der zahlreiche Einschränkungen des öffentlichen Lebens in NRW enthielt. Heute wurde dieser Katalog um weitere Punkte verschärft: Restaurants müssen bereits um 15 Uhr schließen, Spielplätze dürfen nun doch nicht mehr benutzt werden. Hotels dürfen ab Mittwoch keine "touristischen Übernachtungen" mehr erlauben. Sauerland-Urlauber müssten somit ihren Urlaub ebenso abbrechen wie etwa Feriengäste auf den Nordseeinseln.

Die Landesregierung will 150 Millionen Euro für weitere medizinische Schutzkittel, Atemschutzmasken und Beatmungsplätze bereitstellen. Gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden, Handwerkskammer, Ärztekammer und kommunalen Spitzenverbänden soll am Donnerstag ein "Rettungsschirm" für bedrohte Unternehmen geplant werden.

Den Katastrophenfall - wie in Bayern - will die Landesregierung allerdings nicht ausrufen. Auf die Hilfe der Bundeswehr könne man in NRW auch ohne diesen Schritt zugreifen. Bislang laufe die Koordination hierzulande "optimal" über das Gesundheitsministerium.

Grenzen bleiben offen

Die Grenzen zu Belgien und den Niederlanden blieben weiterhin offen, sagte Laschet: Sie zu schließen würde wichtige Lieferketten für Lebensmittel und Arzneimittel behindern. Alle genannten Maßnahmen gelten vorerst bis zum 20. April. Je mehr Menschen sich an die Vorgaben halten würden, desto höher sei die Chance, dass man dann zu einer neuen, positiveren Bewertung der Situation kommen könne.

Familienminister Stamp äußerte sich allerdings enttäuscht darüber, dass das vielerorts kaum geschehe. Der gestrige Tag hätte gezeigt, dass viele Menschen in Cafés sitzen, "als sei nichts passiert". Wenn sich nicht "alle an die Regeln halten", sei eine Ausgangssperre wie in Italien oder Spanien unumgänglich.

Befragt, was das Coronavirus aus Sicht von Experten so viel gefährlicher mache als die Grippe, die ebenfalls schon zahlreiche Tote forderte, sagte Gesundheitsminister Laumann: Zum einen gebe es weder Medikamente noch eine Impfung gegen das Coronavirus. Zum anderen verbreite es sich sechs bis sieben Mal schneller als das Grippevirus.

Er hoffe, bis Ende der Woche eine "digitale Möglichkeit" zu haben, mit der sowohl durch Coronakranke belegte als auch freie Intensivbetten gezählt werden können. Bislang ist völlig unbekannt, wie viele Infizierte tatsächlich stationär behandelt werden müssen.

Stand: 17.03.2020, 16:06