Faktencheck: Forschungsfabrik für Batterien in Münster

Labor des Batterieforschungszentrums MEET in Münster

Faktencheck: Forschungsfabrik für Batterien in Münster

Von Thomas Drescher

  • In Münster soll dort eine Forschungsfabrik für Batterien entstehen
  • Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg kritisieren Zuschlag
  • Faktencheck der Vorwürfe

Die Ministerpräsidenten von Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sagen, bei der Entscheidung für Münster gehe es vor allem um die Förderung der regionalen Wirtschaft. Stimmt das?

Den Vorwurf, sie habe Stukturförderung für NRW über die Kompetenz der Batterieforscher gestellt, hat sich Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) selbst eingehandelt. In ihrer Begründung für Münster nannte sie nämlich auch Ibbenbüren, wo als Ausgleich zur mittlerweile eingestellten Steinkohleförderung das Recycling der in Münster produzierten Batteriezellen aufgezogen werden könne. Pikanterweise liegt Ibbenbüren im Heimat-Wahlkreis der Ministerin.

Was die Ministerpräsidenten Söder (CSU), Kretschmann (Grüne) und Weil (SPD) in einem Brief an Kanzlerin Merkel allerdings unterschlagen: Das Batterie-Forschungsinstitut MEET in Münster gibt es seit neun Jahren. Seinen Gründer Martin Winter, Professor für Materialwissenschaften, Energie und Elektrochemie, nannte das Manager-Magazin "Batteriepapst".

Winter ist ein wissenschaftliches Schwergewicht. Außerdem soll Winter nicht allein, sondern im Verbund forschen: mit dem Forschungszentrum Jülich und mit der RWTH Aachen, namentlich mit Professor Günther Schuh, der mit seinem Elektro-Transporter Screetscooter und dem Kleinwagen e.Go von sich Reden macht.

Die Vertreter der Industrie und der Fraunhofer-Gesellschaft sollen für Ulm und nicht für Münster votiert haben. Stimmt das?

Darauf deutet einiges hin. Ulm wähnte sich schon fast am Ziel und ging damit in die Öffentlichkeit, bevor die Ministerin die Entscheidung verkündete. Allerdings lag die Entscheidung nicht bei den Forschern. Es war eine politische Entscheidung, die zwischen Wirtschaftsministerium und Forschungsministerium fiel.

Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sagen, an Ihren Standorten hätte es bereits Grundstücke und Gebäude für die Forschungsfabrik gegeben. In Münster müsste das erst langwierig aufgebaut werden. Stimmt das?

Das ist falsch. Es gibt in Münster Gebäude, die vorübergehend sofort genutzt werden können. Ab 2022 sollen komplett neue zur Verfügung stehen. Außerdem können sich auf 20 Hektar Unternehmen rund um die Forschungsfabrik ansiedeln.

Auch Ulm, Augsburg und Salzgitter sind Hotspots der Batterieforschung. Was passiert dort, nachdem die Entscheidung für Münster gefallen ist?

Ministerin Karliczek hat am Dienstag (02.07.2019) angekündigt, die anderen Standorte, die sich am Wettbewerb um die Forschungsfabrik beteiligt hätten, würden weiter gefördert. Sie sprach von einer "nationalen Kraftanstrengung", die nötig sei. Dazu müssten alle Potenziale im Land gehoben werden.

Ist es möglich, dass die Entscheidung für Münster nochmal gekippt wird?

Das ist nach Lage der Dinge ziemlich unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, das die meuternden Bundesländer mit weiteren Fördergeldern milde gestimmt werden.

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WDR 5 Westblick - aktuell 02.07.2019 02:31 Min. Verfügbar bis 01.07.2020 WDR 5 Von WDR 5 Westblick

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