Joachim Stamp im Düsseldorfer Landtag

Stamp enttäuscht von Bund-Länder-Runde

Stand: 11.08.2021, 18:01 Uhr

Im Interview mit dem WDR 5 Westblick hat sich der stellvertretende NRW-Ministerpräsident Joachim Stamp für mehr Mut bei Corona ausgesprochen. Der FDP-Politiker forderte ein Ende der "Angstgesellschaft".

Von Christoph Ullrich

Joachim Stamp bekräftigte erneut, dass er sich einen Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen für den 03.10. gewünscht hätte. Einen "Tag der Eigenveratwortung" hätte er begrüßt, sagte er im Interview mit dem WDR 5 Westblick.

Für diese Forderung war er zuletzt kritisiert worden Nach der Bund-Länder-Runde am Dienstag sprach Bayerns Ministerpräsdient Söder (CSU) sogar deutlich gegen den Vorschlag. Man habe so keine Möglichkeit mehr, bei einer plötzlichen, schwierigen Corona-Lage im Herbst Maßnahmen durchzuführen.

Raus aus der "Angstgesellschaft"

Stamp hielt dagegen: Eine Überlastung des Gesundheitssystems drohe nicht mehr, dadurch sei der hinreichende Grund für Corona-Maßnahmen nicht mehr gegegeben. Der Umgang mit der Pandemie sei nun auch eine Frage der Eigenverantwortung. Das Land müsse keine "Angstgesellschaft" mehr sein.

Stamp: "Müssen raus aus der Angstgesellschaft"

WDR 5 Westblick - aktuell 11.08.2021 10:59 Min. Verfügbar bis 11.08.2022 WDR 5


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"Ich muss nicht in einen Club tanzen gehen. Ich muss nicht in ein Fußballstadion gehen", sagte der FDP-Landeschef. Auch warnte er vor Panikmache mit der Gefahr für Kinder. Es würden "einzelne Fälle von Langzeitfolgen wie PIMS und Long-Covid herangezogen, um Ängste zu verbreiten." Man verbiete Kindern doch auch nicht - so Stamp - in den Wald zu gehen, nur weil sie dort einen Zeckenbiss erleiden könnten, der die seltene Gefahr einer Borelliose birgt.

Hoffen auf Impfkampagne, enttäuscht vom RKI

Auf die stockende Impfkampagne angesprochen, hofft Stamp auf steigende Quoten bei jüngeren Erwachsenen - wie zum Beispiel Studierende. Dass die Corona-Tests ab Mitte Oktober nicht mehr kostenfrei bleiben, hält der stellvertretende Ministerpräsident für vertretbar. Dies könne man nicht ewig dem Steuerzahler aufbürden.

Unzufrieden zeigte sich Stamp auch damit, dass die Bund-Länder-Runde keine Alternative zur reinen Inzidenz als Bewertungsgrundlage für das Corona-Infektionsgeschehens vorgelegt habe: "Ich bin auch enttäuscht vom Robert-Koch-Institut, dass hier ein Vorschlag ausgeblieben ist." Dennoch glaubt er nicht, dass es im kommenden Herbst einen Lockdown geben wird.

Teilweise im Widerspruch zum Koalitionspartner

Mit seinen Äußerungen dürfte Stamp die Debatte in der Regierungskoalition über den Umgang mit der Corona-Pandemie weiter anfachen. Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hatte sich am Dienstag für eine Verlängerung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite eingesetzt. Landtags-Fraktionschef Christof Rasche sprach sich am Dienstag deutlich gegen eine Verlängerung bis zum Ende des Jahres aus.

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