Die Staatskanzlei in Düsseldorf, Sitz des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen.

Kaum Chance auf Führungsposition für Frauen in NRW-Staatskanzlei

Stand: 30.01.2022, 13:24 Uhr

Mehr Frauen in Führungspositionen war das Ziel des Gleichstellungsplans der NRW-Staatskanzlei. Jetzt hat sich herausgestellt: Das Gegenteil ist der Fall. Personalräte schlagen Alarm.

Als die CDU vor gut einer Woche Friedrich Merz zu ihrem neuen Vorsitzenden wählte, war diesem besonders wichtig, zu betonen, wie gut es um die Gleichberechtigung in seiner Partei steht. "Wir haben den höchsten Anteil an Frauen im Präsidium. Wir haben den höchsten Anteil an Frauen im Bundesvorstand der CDU", erklärte er im Interview mit dem WDR mit Blick auf sein Ziel, die Union zu modernisieren.

Legt man diese Maßstäbe für die oberste Regierungszentrale in NRW an, die ja bekanntlich auch von der CDU geführt wird, ist man von demselben Ziel weit entfernt. Das zeigt eine Auswertung des Personalrats der Staatskanzlei. Demnach haben Frauen in der Staatskanzlei nämlich kaum eine Chance auf eine Führungsposition. Ihr Anteil wird sogar immer kleiner.

Ziel des Gleichstellungsplans: Mehr Frauen in Führungspositionen

Dabei hatte die Staatskanzlei in ihrem Gleichstellungsplan, den sie sich vor drei Jahren gegeben hatte, ein anderes Ziel anvisiert. Nämlich mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Damals hatte man festgestellt, dass Frauen in diesen Top-Jobs unterrepräsentiert waren.

Der Gleichstellungsplan lief nun zum Jahreswechsel aus. Und die Auswertung zeigt: Passiert ist in den drei Jahren das Gegenteil. Heute sind noch weniger Frauen in Führungspositionen als damals. "Immer weniger Frauen werden Referatsleiterinnen, Gruppenleiterinnen oder gar Abteilungsleiterinnen", heißt es in der Information der Personalräte der Staatskanzlei, die dem WDR vorliegt. "Die uns bis dato vorliegenden Zahlen sprechen hierzu eine eindeutige Sprache und belegen eine systemisch anmutende Schieflage."

Demnach leitet derzeit keine Frau eine Abteilung. Vor drei Jahren lag die Frauenquote hier noch bei rund einem Drittel. Nur jeder fünfte Gruppenleiter ist aktuell weiblich. Vor drei Jahren war das zumindest noch in jedem dritten Fall so.

Zufall oder System?

"Ist das Zufall oder gibt es nicht genügend Frauen, die solche Führungsaufgaben übernehmen können und wollen?", fragen nun die Personalräte und geben direkt selbst eine Antwort: "Aufgrund des hohen (fast ausgeglichenen) Anteils von Frauen an der Beschäftigtenzahl insgesamt stimmt weder das eine noch das andere."

Sie vermuten vielmehr eine "strukturelle, zumindest in Kauf genommene Benachteiligung", die sie mit Daten aus der letzten Beurteilungsrunde der Mitarbeiter der Staatskanzlei stützen. Darin seien Frauen und Teilzeitbeschäftigte (bei denen es sich auch häufiger um Frauen handelt) schlechter bewertet als Männer und Vollzeitbeschäftigte (bei denen es sich häufiger um Männer handelt).

"Vollzeitbeschäftigte Männer hatten eine ungleich größere Chance, die für den Aufstieg wichtigen guten Beurteilungen zu erhalten." Personalräte der Staatskanzlei NRW

Der Personalrat in der Staatskanzlei kritisiert das jetzt heftig - und hofft auf den neuen Gleichstellungsplan. Der soll bis spätestens Ende März kommen. Was da drin steht in Sachen Frauenförderung müsse dann aber auch umgesetzt werden, betont der Personalrat.

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